Am Sonntag bist du tot


Brendan Gleeson muss als irischer Priester-Saubermann sieben Tage lang um sein Leben bangen – mit ungewissem Ausgang

Verhängnisvolle Unschuld: Der unbescholtene Dorfpriester James Lavelle (Brendan Gleeson) ist für seine Schäfchen in einem Provinznest an der irischen Küste ein wahrer Fels in der Brandung. Niemand würde ihm jemals etwas Böses wollen. Doch eines Tages bekommt er in seinem Beichtstuhl den folgenschweren Satz zu hören: „Am Sonntag bist du tot!“ Einer der Dorfbewohner berichtet Lavelle, dass er als Kind über viele Jahre hinweg von einem Geistlichen sexuell missbraucht worden ist. Jetzt sei es an der Zeit, Rache zu nehmen. James Lavelle soll stellvertretend für die Sünden seiner katholischen Kollegen büßen und somit sterben. Die perfide Logik dahinter: einen bösen Priester zu töten würde kein großes Aufsehen erregen. Einen guten dagegen schon. Zwar erkennt Lavelle sofort, wer ihn angeblich umbringen will, doch das Beichtgeheimnis zwingt ihn zum Schweigen. Sieben Tage bleiben ihm von nun an, um das scheinbar Unvermeidliche doch noch zu verhindern. Damit beginnt für den Priester eine schicksalhafte Woche mit ungewissem Ausgang.

„The Guard“-Regisseur John Michael McDonagh ist mit seinem zweiten Film ein faszinierender Balanceakt zwischen bösem Humor, Kirchenkritik und Charakterdrama gelungen. Was anfangs noch als bissiges Porträt des Alltags eines typischen irischen Fischerdorfes für skurrile Komik sorgt, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer ebenso tragischen wie vieldeutigen Schicksalsgeschichte über Schuld, Vergebung und die inneren Dämonen, die jeder Mensch mit sich trägt. Hauptdarsteller Brendan Gleeson liefert darin einmal mehr eine Glanzleistung ab. Er spielt den Dorfpriester mit einer unglaublichen Präsenz. Dabei besitzt die Figur des James Lavelle tiefe Menschlichkeit und Wärme ebenso wie Verletzlichkeit und Fehler. Dadurch entwickelt sich sofort eine starke positive Nähe zum Zuschauer. Umso heftiger schlägt das letzte Drittel des Films auf den Magen. Das konsequent unangenehme Finale lässt zum Abschluss viele offene Fragen im Raum stehen und lädt den Betrachter zu diversen Interpretationen ein.

OT: Calvary, IRL 2014 R: John Michael McDonagh D: Brendan Gleeson, Chris O‘Dowd, Kelly Reilly, Aidan Gillen, Dylan Moran FSK: 16 Jahre L: 105 Minuten Anbieter: Ascot Elite

Ab 24. März 2015 auf DVD und Blu-ray

5

Fazit

Brillantes, pechschwarzes Schuld- und Sühne-Drama mit einem exzellenten Darsteller-Ensemble, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt

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