Arrival (Kino)


Außerirdische landen in seltsamen Riesenobjekten auf der Erde. Amy Adams soll als Linguistin den Kontakt herstellen – eine Erfahrung, die ihr Leben und das Schicksal des Planeten verändern wird.

Der Hörsaal ist fast leer, die nur wenigen Studenten nicht im Geringsten an den Ausführungen von Linguistin Dr. ­Louise Banks (Amy Adams) interessiert. Heute gibt‘s Wichtigeres als die Frage, wie sich Portugiesisch von anderen romanischen Sprachen unterscheidet. Nachrichtensender aus aller Welt berichten in Endlosschleife von der Landung außerirdischer Objekte. In China, Russland, Südamerika, den USA und andernorts sind insgesamt ein Dutzend längliche Raumschiffe wie aus dem Nichts aufgetaucht. Riesendinger, über 400 Meter hoch, die knapp über dem Boden schweben. Was die wollen? Weiß man nicht, weil sich nichts an ihnen rührt und regt. Was die Medien und Menschen aber nicht davon abhält, sich in Spekulationen und Vermutungen zu ergehen. Die allgegenwärtige Angst vor einer Alien-Invasion lähmt das Alltagsleben, es kommt zu Massenpanik, Plünderungen, Anarchie. Eile ist geboten, um weitere Eskalationen oder gar eine globale Katastrophe zu verhindern. Und dazu braucht es Leute wie die brillante Kommunikationswissenschaftlerin, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in ein Militärcamp nahe einer Landestelle gebracht wird. Dort soll sie mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) den Kontakt mit den Außerirdischen herstellen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und Beobachtung durch die Elite-Einheit von Colonel Weber (Forest Whitacker) machen sich die beiden Koryphäen ans Werk, um das Geheimnis der mysteriö­sen Besucher zu ergründen.

Falls es noch nicht zu spät ist: Bloß nicht diesen unsäglich spoilernden, auf Krawumm und Thrill gepolten offiziellen Trailer anschauen! Denn erstens gehört „Arrival“ zu der Kategorie Film, über die man möglichst wenig gehört haben sollte, bevor im Kino das Licht verlöscht. Und zweitens trifft der atemlos reißerische Ton der Vorschau in keiner Weise den Kern des Werks. In der Verfilmung der 2000 mit dem Nebula Award prämierten Kurzgeschichte „Story Of Your Life“ des Amerikaners Ted Chiang geht‘s trotz globaler Krise und Säbelrasseln nicht um megatonnenstarke Effektschlachten à la Roland „Independence Day“ Emmerich. „Arrival“ ist vielmehr in änlich intelligenten und hintergründigen Dimensionen unterwegs wie Christopher Nolans „Inception“ oder „Interstellar“. Ohne deren überbordende Gigantomanie allerdings. Das kanadische Ausnahmetalent Denis Villeneuve („Prisoners“) reduziert das Geschehen auf wenige Locations und eine überschaubare Handvoll Leute und setzt auf exzellentes Handwerk statt CGI-Gewitter. Die sorgsam durchgestylten Bilder, die faszinierenden Kulissen, das großartige Sound-Design und der kraftvolle Score des „Sicario“-Komponisten Jóhann Jóhannsson entfalten von der ersten Sekunde an eine hypnotische Kraft und unterschwellige Spannung, der man sich als Zuschauer kaum entziehen kann. Und bieten der talentierten Amy Adams eine perfekte Bühne, um alle (und vor allem auch die ernsten) Facetten ihres Könnens auszuspielen. Letztlich ist es nur das holprige und überstürzt wirkende Finale, das diesen filmischen Hochgenuss noch von der Meisterwerk-Liga trennt.

OT: Arrival, USA 2016 R: Denis Villeneuve D: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O‘Brien FSK: ab 12 (beantragt) L: 116 Minuten Verleih: Sony

Ab 24. November 2016 im Kino

4.0

Fazit

Ein existenzialistischer, von Menschlichkeit durchzogener Trip ins Unerwartete, grandios gefilmt und zutiefst berührend

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