Boyhood


In zweieinhalb Stunden wird quasi in Echtzeit aus dem sechsjährigen Mason ein sensibler junger Mann. Nicht geniale Maskenbildner, sondern das Leben hat hier Hand angelegt

Regisseur Richard Linklater bewies bereits mit seiner „Before“-Trilogie mit Ethan Hawke und Julie Delpy, die er innerhalb von knapp zwanzig Jahren dreimal als Liebende aufeinandertreffen ließ, einen Hang zum Dokumentarischen, der sich mit den Regeln des Spielfilms vermischt. Die Krönung dieser Mischung findet sich nun in dem Independent-Experiment „Boyhood“, in dem Linklater über zwölf Jahre hinweg seinem Protagonisten Mason (entspannt natürlich: Ellar Coltrane) beim Aufwachsen zusieht, eingebettet in eine fiktive Handlung, die sich an heutigen Patchworkfamilien orientiert.

Mason ist sechs Jahre alt und zieht mit seiner älteren Schwester Samantha (Lorelei Linklater) und seiner alleinerziehenden Mutter Olivia nach Texas. Sein Vater versucht als Berufsmusiker sein Glück, um die Kinder kümmert er sich eher sporadisch. Olivia geht aufs College und heiratet erneut, hat jedoch auch in der zweiten Ehe wenig Glück. Masons Kindheit ist in vielen Episoden ganz unspektakulär: Er streitet mit seiner Schwester, kommt in eine neue Schule, geht mit seinem Vater zum Campen, hilft beim Wahlkampf für Obama, trinkt sein erstes Bier, verliebt sich zum ersten Mal. Obwohl jeden Sommer nur wenige Tage gedreht wurde, reihen sich die einzelnen Szenen harmonisch aneinander und die großen zeitlichen Sprünge lassen sich nur am plötzlichen Frisur- oder Figurwechsel ablesen, während die Handlung stimmig weitergeht. Die Filmeltern Ethan Hawke und Patricia Arquette sind der perfekte Rahmen für diese so simple Geschichte, die in nur 39 Drehtagen ein ganzes Kinderleben einfängt – magisch!

OT: Boyhood, USA 2014 R: Richard Linklater D: Ethan Hawke, Patricia Arquette, Ellar Coltrane FSK: 6 Jahre L: 159 Minuten Anbieter: Universal

Ab 6. November 2014 auf DVD und Blu-ray

5

Fazit

Berührendes Porträt einer Jugend in Amerika, die beinahe dokumentarisch das Heranwachsen und die Nöte des Hauptdarstellers beleuchtet – eine Sternstunde des Kinos!

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