Der große Trip


Der Rucksack ein Monster, die Schuhe zu klein, die Vergangenheit ein Desaster, die Zukunft ungewiss: Eine junge Frau beschließt, ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen und begibt sich völlig ohne Outdoor-Erfahrung allein auf einen abenteuerlichen Trip.

Verdammtes Miststück! Der Schrei kommt aus tiefster Kehle und fasst all den Frust zusammen, den die 26-jährige Cheryl (Reese Witherspoon) auf ihrem 1.700 Kilometer langen Marsch von Mexiko nach Kanada durchleidet. Sie will bei einer dreimonatigen Wanderung auf dem Pacific Crest Trail ihr altes Leben mit all seinen Problemen hinter sich lassen und einen Schlussstrich ziehen. Der Fluch zu Beginn gilt ihrem Wanderschuh, der sich selbständig gemacht hat und einen steilen Abhang hinunterpurzelt. Ist aber kein großer Verlust, der Stiefel war eh zu klein und hat ihr blutige Blasen beschert. Die unerfahrene Hikerin bastelt sich aus Klebeband und Sandalen neues Schuhwerk und macht weiter, Schritt um Schritt, Meile um Meile. Sie braucht die Zeit in der Einsamkeit, um mental mit der Vergangenheit klarzukommen. Vor vier Jahren ist ihre über alles geliebte Mutter an Krebs gestorben und seitdem läuft bei Cheryl alles schief. Sie hatte Affären, zerstörte ihre Ehe, spritzte Heroin. Ihr verkorkstes Leben präsentiert der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée („Dallas Buyers Club“) in zahlreichen Rückblenden, die ohne auf die Tränendrüse zu drücken die Fehler der jungen Frau Revue passieren lassen. Reese Witherspoon präsentiert sich dabei für Hollywood-Verhältnisse ungewöhnlich offenherzig, exponiert sich in freizügigen Sex- und Drogenszenen und stapft den größten Teil der Zeit ungeschminkt durch die Wildnis.

Die Verfilmung des autobiografischen Bestsellers von Cheryl Strayed, die diese Wanderung 1995 tatsächlich unternahm, war für Witherspoon eine Herzensangelegenheit. Sie sicherte sich die Rechte noch vor Veröffentlichung des Buches und fungierte nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Produzentin. Dabei gelingt ihr ein eindringliches Porträt einer Frau in der Krise, die dennoch niemals aufgibt. Die stumpfe körperliche Anstrengung des Marsches gibt ihr frischen Lebensmut, die Auseinandersetzung mit der unberührten Natur neue Kraft. Genauso wie die literarische Vorlage zeichnet sich auch das einfühlsame Drehbuch des britischen Schriftstellers Nick Hornby durch tiefe Wahrhaftigkeit aus und den ehrlichen Wunsch, über sich selbst hinauszuwachsen. Wirklich sehenswert!

OT: Wild, USA 2014 R: Jean-Marc Vallée D: Reese Witherspoon, Laura Dern, Thomas Sadoski, Michiel Huisman, Gaby Hoffmann, Kevin Rankin FSK: 12 Jahre L: 112 Minuten Anbieter: Fox

Ab 21. Mai 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich

4

Fazit

Auch wenn es abgedroschen klingt – der Weg ist das Ziel in dieser packenden Wanderung einer Frau zu sich selbst

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