Die Melodie des Meeres


Nichts gerendert, kein 3D in Sicht: Das Märchen um zwei kleine Ausreißer auf ihrer Reise durch die irische Sagenwelt schwelgt in fantasievollen, handgezeichneten Bildern – und ist so schön, dass es für den Oscar als bester Animationsfilm 2015 nominiert war.

Schon sechs Jahre ist es her, dass Leuchtturmwärter Conor seine Frau bei der Geburt seiner Tochter verloren hat; doch den Verlust hat er immer noch nicht überwinden können. Zusammen mit der kleinen Saoirse, seinem zehnjährigen Sohn Ben und Hund Cú lebt er auf einem winzigen Eiland vor der irischen Küste. Was nun wirklich kein passender Ort für Kinder ist – findet die gestrenge Großmama und beschließt, die beiden mit zu sich nach Dublin zu nehmen. Das Stadtleben wird ihnen guttun, und vielleicht wird Saoirse, die in ihrem Leben noch kein einziges Wort gesprochen hat, in der neuen Umgebung endlich mal den Mund aufmachen. Die Kleine ist ohnehin kein Kind wie jedes andere: Sie ist eine Selkie, ein Fabelwesen, das sich im Wasser in ein robbenähnliches Wesen verwandelt. Die Erwachsenen wollen von solchem mythischen Firlefanz zwar nichts wissen, doch Saoirse zieht es mit Macht nach Hause und ans Meer zurück. Eine magische Muschel weist den beiden Ausreißern den Weg, unterwegs bekommen sie Hilfe von ihrem getreuen Vierbeiner und den verschiedensten Geisterwesen, die um die wahre Identität der Kleinen wissen. Doch nicht alle davon sind ihnen wirklich wohlgesonnen.

Handgezeichnete Bilder und kulleräugige Figuren in einer Geschichte rund um Mythen und Legenden: Tomm Moore wandelt auf den Spuren der japanischen Kultschmiede Studio Ghibli und deren Goldfischmädchen-Märchen „Ponyo“ (2008). Der gebürtige Nordire verankert seinen Trickfilm tief in der reichen Sagenwelt seiner Heimat und verpasst ihm einen ganz eigenen, von traditioneller Symbolik durchdrungenen Look, der französische Filmkomponist Bruno Coulais („Die Kinder des Monsieur Mathieu“) steuert die passenden keltischen Klänge dazu bei. Wer bereits den Vorgänger „Das Geheimnis von Kells“ mochte, wird sich dem Zauber dieser Zeichentrickreise nicht entziehen können. Wer Animationsfilme von der Stange gewohnt ist sei aber vorgewarnt, denn die eigentliche Handlung spielt hier nur die zweite Geige.

OT: Song Of The Sea, Irland u. a. 2014 R: Tomm Moore FSK: o. A. L: 93 Minuten Anbieter: KSM Ab 23. Mai 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich

4

Fazit

Ein vor Fantasie berstendes Märchen, das mit traumhaftem Look und poetischer Atmosphäre fasziniert

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