Ex Machina (Kino)

Können Maschinen denken? Oder gar lieben? Und dürfen sie das überhaupt? Auf der Suche nach Antworten wickelt die sexy Robo-Frau Ava die Zuschauer nur so um den kleinen Cyborg-Finger.

Der junge Programmierer Caleb hat bei einer firmeninternen Verlosung einen einwöchigen Aufenthalt beim zurückgezogen lebenden Oberboss Nathan gewonnen – eine große Ehre, schließlich wird der Erfinder der weltweit größten Suchmaschine verehrt wie ein Steve Jobs. Sein nur im Helikop­ter erreichbares Anwesen im Gebirgsland erweist sich als ein mit allen Schikanen der Technik ausgestatteter, unterirdischer Forschungskomplex, wo der kumpelhaft auftretende Nathan mit einer ganz besonderen Überraschung aufwartet: Caleb soll testen, ob es seine neueste Krea­tion in Sachen künstliche Intelligenz mit menschlichem Denkvermögen aufnehmen kann. Klingt nach dröger Nerd-Arbeit – ist es aber keinesfalls. Nathan hat seinem höchst geheimen Projekt das attraktive Äußere einer jungen Frau verpasst. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten: Schon bei der ersten Begegnung mit Cyborg-Dame Ava ist Caleb regelrecht wie hypnotisiert. Während sie ihn bei jedem Treffen tiefer und tiefer in ihren Bann zieht, erweist sich Nathan allmählich als skrupelloser, manipulativer Fiesling. Und auch Ava hat so einiges über ihren nicht unbedingt heiß geliebten Schöpfer zu erzählen.

Alex Garland, Bestsellerautor von „Der Strand“ und Drehbuchschreiber von „28 Days Later“, hat sich für sein Regiedebüt ein ganz heißes Thema ausgesucht – schließlich gehört der reale Internetriese Google längst auch zu den wichtigsten Taktgebern und Tüftlern bei der KI-Forschung, die regelmäßig mit erstaunlichen Quantensprüngen in Sachen künstliche Intelligenz von sich reden macht. Von gelegentlichen Querverweisen und Assoziationen in Richtung „Blade Runner“, „Terminator“ oder „Alien“ abgesehen, findet Garland seinen ganz eigenen Zugang zu der faszinierenden Thematik. Stetig verdichtet er ausgedehnte Dialoge, ästhetische Aufnahmen von grandiosen Bauten und Landschaften und den exzellenten Ambient-Score von Ben Salisbury und Portishead-Mann Geoff Barrow zu einem paranoiden Psycho-Kammerspiel. Dabei kann er sich ganz auf sein starkes Ensemble verlassen: Brendan Gleesons Sohn Domhnall (Bill Weasly aus den „Harry Potter“-Filmen) verleiht dem nerdigen Caleb glaubhafte Zweifel und aufkeimende Stärke, Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“) fasziniert als genauso charismatisches wie manipulatives Arschloch. Der Star im Bunker ist aber die Schwedin Alicia Vikander („Anna Karenina“), die als kulleräugig naiver Kindfrau-Cyborg alle in den Bann schlägt und dabei mit ihren leicht befremdlich getimeten Gesten stets für das richtige Quäntchen Unbehagen sorgt. Überhaupt lässt Garland viel Raum für das Unausgesprochene, für subtile Anspielungen und falsche (?) Fährten, während er sich gekonnt der Lust an kühler Erotik und eisigem Thrill hingibt und dabei noch mit einigen überraschend emotionalen Momenten überrascht. Was für ein irrer Trip!

OT: Ex Machina, USA/GB 2014 R: Alex Garland D: Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander, Sonoya Mizuno FSK: 12 Jahre L: 89 Minuten Verleih: Universal

Ab 23. April 2015 im Kino

5

Fazit

Künstliche Intelligenz, echte Mordsspannung – ein atmosphärisch zum Schneiden dichter Sci-Fi-Thriller mit philosophischem Unterbau, der reichlich Stoff für anregende Gedanken und Diskussionen liefert

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Leserwertung 4.8 (5 votes)

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Ein Kommentar

  1. Tina 24. April 2015

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