Eye In The Sky


Darf man wenige Leben nehmen um viele zu retten? Oder sie nur vielleicht zu retten? Helen Mirren und Alan Rickman glänzen in einem tödlichen Dilemmaspiel aus dem Krieg gegen den Terror.

Colonel Katherine Powell (Helen Mirren) ist ganz aufgekratzt: Nach jahrelangen Ermittlungen von multinationalen Antiterror-Einheiten ist ihr in einem Wohnhaus in Nairobi eine hochrangige Al-Shaabab-Terroristin ins Netz gegangen, die sich dort mit Gleichgesinnten trifft. Dazu hat sie nicht mal ihr Land verlassen müssen: Drohnenpilot Steve Watts (Aaron Paul) steuert von Nevada aus das fliegende Auge im Himmel, das sie mit knackscharfen Luftbildern versorgt. Ein Undercover-Agent legt vor Ort mit einem ferngesteuerten Minikopter Innenaufnahmen aus dem Haus nach, bis kein Zweifel mehr an der Identität des dicken Fisches besteht. Und jetzt? Ein Bodeneinsatz ist in dem von Milizen kontrollierten Gebiet nicht drin, ein Raketenangriff per Drohne würde erhebliche zivile Opfer fordern – darunter auch die kleine Tochter der arglosen Nachbarsfamilie, die vor dem Haus selbstgebackenes Fladenbrot verkauft. Die massenmörderische Todesbraut davonkommen lassen will aber auch niemand. Also doch das Leben einiger Unschuldiger opfern, um damit vielleicht viel zukünftiges Blutvergießen zu vermeiden? Militärs wie Col. Powell oder Lt. Frank Benson (Alan Rickman in einer seiner letzten Rollen) drängen auf eine sofortige Feuererlaubnis, doch die politisch Verantwortlichen wälzen die Entscheidung auf höhere Ins­tanzen ab. Bis sich die Lage vor Ort noch einmal drastisch verschärft.

Gavin Hood („Machtlos“) geht näher ran: Während Ethan Hawke als Drohnenpilot in „Good Kill“ bereits an den Luftbildern seiner Angriffe psychisch zerbrach, zeigt der südafrikanische Regisseur den ferngesteuer­ten Krieg hier aus allen Perspektiven. Er macht aus den in den Nachrichten allgegenwärtigen „zivilen Opfern“ wieder Menschen, setzt Bilder von ihrem Alltag in einfachen Verhältnissen in krassen Kontrast zum straff durchorganisierten Netzwerk aus Militär, Politik, Geheimdienst und Technik, das aus weiter Ferne über Leben und Tod entscheidet – Gewissensbisse bis in die oberen Ränge hinein inklusive. Die Claims sind zwar von Anfang an klar abgesteckt und manche Diskussion läuft letztlich nur auf das erwartete Ergebnis hinaus. Doch dafür überlässt es der packende Thriller ganz dem Zu­schauer, sich seine eigenen Gedanken zu Recht oder Unrecht des mörderischen Treibens zu machen. Hitzige Debatten nach dem Abspann nicht ausgeschlossen!

OT: Eye In The Sky, GB 2015 R: Gavin Hood D: Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Iain Glen FSK: 16 Jahre L: 98 Minuten Anbieter: Universum

Ab 16. September 2016 auf DVD und Blu-ray

  • Film
4.0

Fazit

Unbequeme Innenansichten aus dem Krieg gegen den Terror – mordsspannend, bitter und brisant

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