Hardcore


Auf der Flucht vor nie versiegenden Gegnerhorden bahnt sich Supersoldat Henry eine blutige Schneise durchs futuristische Moskau. Ein Actiontrip à la Ego-Shooter der extrem deftigen Art!

Die fremde Frau nennt den Mann „Henry“, aber antworten kann er nicht. Noch nicht, versichert sie. Das Sprachmodul ist halt noch nicht eingebaut. Andere Technik-Gadgets aber schon. Henry kann die Füße drehen lassen wie einen Kreisel, ein Laser schweißt gerade die Unterarmprothese fest. Zu dumm, dass er sich an nichts erinnern kann. Nicht mal daran, wer die sexy Assis­tentin, Krankenschwester oder Was-auch-immer bei ihm ist, die ihm versichert, dass sie mit ihm verheiratet ist und ihn immer noch liebt. Für romantische Momente bleibt aber keine Zeit, denn eine schwerbewaffnete Gang um einen Widerling namens Akan sprengt sich durch die Stahltür und schießt wild um sich. Henry kann fliehen und findet sich bald auf den Straßen von Moskau wieder, wo ihn bereits Hundertschaften gefährlicher Typen erwarten – bestens organisiert und bewaffnet bis an die Zähne. Mit seinen blitzartigen Reflexen und stahlharten Prothesen hat er ihnen aber Einiges entgegenzusetzen. Und wann immer die Lage besonders aussichslos scheint, taucht ein stets anders gekleideter Unbekannter namens Jimmy (Sharlto Copley) auf, um ihm aus der Patsche zu helfen und sich kurz darauf auf unschöne Weise niedermähen zu lassen.

Waldlevel? Check! Scharfschützen-Mission durchs Zielfernrohr? Check! Autobahnszene mit Ballern, Springen, Fahrzeugstunts? Alles dabei. Der Film gewordene Shooter arbeitet sich (vom splattigen Vorspann an) konsequent blutig und schwarzhumorig durch charakterlose Gegnermassen. Mit irrem Bodycount und überzeugenden Tricks, eingefangen aus der Ego-Perspektive einer wacklig verpixelten Helmkamera. Das ist genauso gewöhnungsbedürftig wie die Minimalhandlung, die kaum mehr zu bieten hat als nebulöse Oneliner und schwülstige Ansprachen vom herrlich überzeichneten Bossgegner Akan. Wenn Uzi und Granaten sprechen, gibt‘s ja auch nicht viel zu bereden. Außer wer das nächste Bier holt. In Gesellschaft einer ausgelassenen Gamer-Truppe wird der schräge Action-Trip zur Party; andere werden in „Hardcore“ nur eine monotone und mangels (sichtbarer) Identifikationsfigur wenig mitreißende Aneinanderreihung überzeichneter Brutalitäten sehen.

OT: Hardcore Henry, RUS/USA 2016 R: Ilya Naishuller D: Sharlto Copley, Danila Kozlowskj, Haley Bennett FSK: 18 Jahre L: 92 Minuten Anbieter: Capelight

Ab 9. September 2016 auf DVD und Blu-ray

  • Film
3.0

Fazit

Tiefschwarzer Action-Trash, der Ästhetik, Gewalt und Story-Konzepte gängiger Videospiele als Film umsetzt. Das zeigt der Gamer seinen Kumpels beim Heimkinoabend.

Sending
Leserwertung 0 (0 votes)

Trailer

Kommentar verfassen