Kreuzweg


Maria ist 14. Disco, Popmusik, Filme und Jungs sind aber für sie tabu. Denn sie wächst in einer fundamentalkatholischen Gemeinde auf

Da hatte der junge Regisseur Dietrich Brüggemann bei der Berlinale 2013 den Mund ganz schön voll genommen und auf seinem Blog über das steife deutsche Autorenkino gelästert. In diesem Jahr nun war er mit „Kreuzweg“ selber im Wettbewerb vertreten und musste sich an seiner eigenen Arbeit messen lassen. Immerhin gewannen er und seine Schwester den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Merkwürdig ist allerdings schon, dass Brüggemann nun ein formal äußerst strenges Drama abliefert, auf das man seine eigenen Vorwürfe wunderbar anwenden könnte. Kreuzweg besteht aus 14 starr, mit unbewegter Kamera gefilmten Szenen, die den 14 Stationen des Kreuzweges Jesu nachempfunden sind. Oh ja, harter Stoff! Das Drama entwickelt durch die  filmische Konzentration und die aufsehenerregend intensiven Leistungen der Darsteller eine eigenwilligen Sog. Dennoch wirkt das Regie-Konzept zumindest überspannt, wenn nicht geradezu blasiert – und die Parallelisierung der Leiden Jesu mit denen der Hauptfigur ist dann doch arg weit hergeholt. Sicher hätte die Geschichte eines Mädchens, das sich ungeliebt fühlt und von seiner erzkatholischen Umgebung in den Tod getrieben wird, in einer anderen Erzählform mehr überzeugt. Dennoch bleiben einige Szenen hängen, die dem Zuschauer durch ihre dramatische Wucht den Atem nehmen. Vor allem die Monster-Mutti vergisst man so schnell nicht.

OT: Kreuzweg, D 2014 R: Dietrich Brüggemann D: Lea van Acken, Franziska Weisz, Florian Stetter FSK: 12 Jahre L: 107 Minuten Anbieter: Camino/Lighthouse

Ab 24. Oktober 2014 auf DVD

4

Fazit

Interessantes und dramatisches Experiment, das aber übers Ziel hinaus schießt

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