Mad Max: Fury Road (Kino)


Wut im Bauch, Benzin im Blut und nichts zu verlieren: Mel-Gibson-Nachfolger Tom Hardy und Charlize Theron hetzen und schnetzeln in der kultigen Endzeitwelt des Max Rockatansky

Handlung: ein Satz. Ex-Cop Max (Tom Hardy), Outlaw in einer postatomaren Wüstenwelt, befreit sich aus der Gefangenschaft eines tyrannischen Kriegslords und schließt sich dem Kampftruck von Furiosa (Charlize Theron) an, die dessen fünf Frauen an einen verheißungsvollen Ort in Sicherheit bringen will. Action: ein ganzes Universum voll. Kaum ist der Zuschauer mit ein paar Flashbacks und Andeutungen auf Endzeit eingegroovt, geht‘s auch schon ab in die aus Schrott zusammenimprovisierten Kampfvehikel. Waffen laden, Motor an, Backstein aufs Gas. Angreifer rollen heran? Erschießen, rammen, überfahren, aufspießen, in die Luft sprengen. Keine Gnade. Was zählt sind Wasser, Benzin und das eigene Überleben.

Drei Jahrzehnte nach „Jenseits der Donnerkuppel“ überrascht der 70-jährige „Mad Max“-Erfinder George Miller mit einem fulminanten Dystopie-Nachschlag. Film Nr. 4 ist ein zynisch existenzialistischer Comic-Trip voll postnuklearer Freaks, eine gepiercte, tätowierte, vernarbte Fetischparade, ein Stelldichein der Mutierten und Zerfressenen. Ein erbarmungsloses (aber nicht splattiges) Hauen und Stechen, das so surreal wirkt wie ein rollender Cirque du Soleil im Berserker-Modus und sich förmlich zu einer atomaren Stunt- und Effektexplosion verdichtet. Es darf aber auch gelacht werden: Bevor die Over-the-top-Show all zu grimmig wird, lockert Miller mit trashigen Gags und erotischem Exploitation-Kitsch aus der Achtziger-Kiste auf.

Das alles macht einen Riesenspaß, hat aber auch einigen Sand im Getriebe. Zuviel Vollgas, zu wenig Substanz; in der endlosen Nonstop-Hatz verpufft jegliche Charakterzeichnung. Schade vor allem um die wunderbare Charlize Theron, die dem wortkargen Tom Hardy die Schau stiehlt und in (leider nicht weiter verfolgten) Ansätzen erkennen lässt, dass in dieser Testosteron-Endzeit auch Platz für eine spannende feminine Perspektive wäre. Vielleicht eine Idee für die bereits geplanten Fortsetzungen?

OT: Mad Max: Fury Road, AUS/USA 2015 R: George Miller D: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne FSK: 16 Jahre L: 121 Minuten Anbieter: Warner

Ab 14. Mai 2015 im Kino

4

Fazit

Top-moderne Mega-Action in guter alter Endzeitwelt – eine willkommen dreckige Abwechslung zum von Superhelden und Terroristen durchseuchten Blockbusterkino mit nur papierdünner Story

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Leserwertung 4.5 (2 votes)

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