Men & Chicken (Kino)


Mads Mikkelsen forscht nach seinen familiären Wurzeln und findet sich kurz darauf in einer äußerst schrägen Sippe wieder. Der dänische „Adams Äpfel“-Regisseur Anders Thomas Jensen zieht dabei erneut alle abgedrehten Register

Seine Verwandten kann man sich nicht aussuchen: Die beiden Brüder Gabriel (David Dencik) und Elias (Mads Mikkelsen) könnten kaum unterschiedlicher sein. Während Gabriel mit einem erlesenen Intellekt ausgestattet ist und sich seine Brötchen als Dozent an der Universität verdient, masturbiert sich der leicht beschränkte Nichtsnutz Elias fröhlich von einem Tag zum nächsten. Doch nach dem Tod ihres Dads erfahren die beiden, dass er gar nicht ihr biologischer Vater war. Das leibliche Familienoberhaupt soll auf einer abgelegenen kleinen dänischen Insel namens Ork leben. Notgedrungen raufen sich Gabriel und Elias zusammen, um auf dem winzigen Eiland ihre wahren Wurzeln aufzuspüren. Kaum angekommen erlebt das Duo jedoch gleich die nächste Überraschung, denn in dem verwahrlosten Domizil des Vaters hausen auch dessen Söhne Franz (Søren Malling), Josef (Nicolas Bro) und Gregor (Nikolaj Lie Kaas). Allerdings erweist sich die neue Verwandtschaft zum einen als nicht besonders gastfreundlich, zum anderen umgeben sich die drei lieber mit ausgestopften Tieren als mit Menschen und legen ziemlich kranke Gewohnheiten an den Tag. Doch Elias und Gabriel lassen sich nicht abschrecken und suchen dennoch eifrig den Familienanschluss. Dabei kommen die beiden langsam aber sicher den wahren Umständen ihrer Herkunft auf die Schliche. Wie sich schon bald herausstellt, hat ihre frisch gefundene Sippe nicht nur eine Leiche im Keller, und kurz darauf erleben die Brüder ihr blaues Wunder.

Wer dachte, Anders Thomas Jensens kurioser Komödien-Geniestreich „Adams Äpfel“ aus dem Jahr 2005 sei an Absurdität nicht zu überbieten, der dürfte bei der Sichtung von „Men & Chicken“ eines Besseren belehrt werden. Freunde von krankem Humor kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Die durchweg bizarre Familiengeschichte strotzt vor Boshaftigkeit, abgedrehten Ideen und ziemlich heftigen Slapstick-Einlagen. Mads Mikkelsen macht seine Rolle als dauermasturbierender Trottel sichtlich Spaß, und er beweist genau wie der Rest des Ekel-Ensembles Mut zur Hässlichkeit. Der finale Clou der Story lässt sich zwar etwas zu früh erahnen, doch das tut dem Vergnügen keinerlei Abbruch. Zartbesaitete Gemüter seien jedoch gewarnt, denn Regisseur und Drehbuchautor Jensen treibt es zuweilen ziemlich auf die Spitze und gibt gängigen Moralvorstellungen keine Chance. Dass die FSK diesem durch die Bank politisch unkorrekten Treiben eine Freigabe ab zwölf Jahren erteilt hat, grenzt fast schon an ein kleines Wunder.

OT: Mænd & høns, DK/D 2015 R: Anders Thomas Jensen D: David Dencik, Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Søren Malling FSK: 12 Jahre L: 104 Minuten Verleih: DCM

Ab 2. Juli 2015 im Kino

4

Fazit

Böse, skurril und pechschwarz – eine brillant gespielte, absurd überzogene Arthouse-Groteske für den ganz besonderen Geschmack

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