Narcos


In den Achtzigern überschwemmt Pablo Escobar mit seinem Medellín-Kartell die Welt mit Kokain und verwandelt sein Heimatland Kolumbien in einen Sumpf aus Terror, Mord und Korruption.

Der Mann kannte keine Grenzen, keine Moral, kein Maß. Er industrialisierte die Kokainproduktion, errichtete unzählige Plantagen und Drogenlabors im unwegsamen Dschungel. Er kaufte sich eine eigene Flotte von Kleinflugzeugen, um das weiße Pulver tonnenweise direkt in die USA zu schmuggeln. Ließ ganze Paletten voll Bargeld in Höhlen und Erdlöchern verstecken, weil er nicht mehr wusste, wohin damit. Er sonnte sich in seiner Rolle als Robin Hood, spendete ein Vermögen für Arme und wohltätige Zwecke. Kontrollierte, schmierte, korrumpierte praktisch den ganzen Staat, ließ sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen, musste aber im Wahlkampf aufgeben und erwies sich als schlechter Verlierer. Er erklärte dem Präsidenten und den Landsleuten den Krieg, überzog Kolumbien mit einer Welle von Attentaten, Bombenanschlägen und Entführungen, um sich gegen seine geplante Verhaftung und Auslieferung in die USA zur Wehr zu setzen – so ausdauernd und blutig, dass die Regierung schließlich klein beigab und ihm förmlich in den Allerwertesten kroch.

Netflix hat das kaum in Worte zu fassende Leben des Oberwiderlings gekonnt auf konsumierbare Serienstärke gestreckt. Die zehn Folgen erzählen die dramaturgisch verdichteten Tatsachen aus der Sicht des realen (und echt unsympathischen!) DEA-Ermittlers Steve Murphy (Boyd Holbrook, „Gone Girl“), der gleichzeitig der wichtigste Informant des Zuschauers ist. In regelmäßigen Off-Kommentaren fasst Murphy die Geschehnisse zusammen, füllt zeitliche und inhaltliche Lücken mit dokumentarischen Infos, realen Fotos, Videos und Zeitdokumenten, bevor der Hochklasse-Thriller mit neuen Ungeheuerlichkeiten, derben Brutalitäten und freizügiger Erotik in die nächste Runde geht. Charismatischer Mittelpunkt ist der Brasilianer Wagner Moura („Tropa de Elite 2“), der sich als perfekte Besetzung für den brandgefährlichen Überpaten erweist. Dieser Meinung waren allerdings nicht alle: Escobar-Bruder Roberto meldete sich unlängst per Brief bei den Produzenten, beschwerte sich über Hauptdarsteller und Inhalt, drohte mit seinen Anwälten und bot sich (zu spät) als Berater für die bereits im September startende Staffel zwei an. Für eine bescheidene Aufwandsentschädigung. Von einer Milliarde Dollar.

OT: Narcos (Season 1), USA 2015 R: Diverse D: Wagner Moura, Pedro Pascal, Boyd Holbrook, Luis Guzmán FSK: 16 Jahre L: 500 Minuten Anbieter: Polyband

Ab 1. September 2016 auf DVD und Blu-ray

  • Film
5.0

Fazit

Spektakuläre Aufarbeitung der Vita eines der gefährlichsten Verbrechers aller Zeiten. Trotz bekannter Geschichte atemberaubend spannend bis zur letzten Sekunde!

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