Nymphomaniac Vol. I & II


Dänemarks „Enfant-regieble“ Lars von Trier macht in seinem starbesetzten Sex-Drama Charlotte Gainsbourg zur pathologischen Nymphomanin

Sicher haben Sie schon einiges von Lars von Trier gehört. Das ist der Skandal-Regisseur, der in seinen Filmen Klitorides abschneiden, erigierte Penisse Blut spritzen und die Welt untergehen lässt und in Pressekonferenzen mit missverständlichen Äußerungen zu Hitler für Eklats sorgt. Der ist das. Wenn die dänische Provokationsmaschine nun einen Film über weibliche Nymphomanie dreht, erwartet man nicht weniger als einen kalkulierten Skandalfilm, der die verklemmten Sittenwächter auf die Barrikaden treibt. Einen Film, der theoretisch die katholische Kirche zerstören könnte. Angesichts dieser Erwartungen nimmt sich der zweigeteilte „Nymphomaniac“ vergleichsweise zahm aus. Klar, man sieht hier reihenweise Geschlechtsteile in Aktion – doch was ist daran denn eigentlich skandalös? Wie es Akteur Stellan Skarsgård im Interview in den Extras so schön sagt: „Es sollte nicht seltsamer sein, in einem Film zu sehen, wie ein Schwanz in eine Möse eingeführt wird, als zu sehen, wie ein Löffel mit Haferbrei in einen Mund eingeführt wird.“ Sexualität ist nicht der Feind. Löblich, dass auch die FSK „Nymphomaniac“ als Kunst verstand und eine 16er-Einstufung aussprach.

Von Trier erzählt die Lebensgeschichte der selbsterklärten Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg in der älteren, Stacy Martin in der jüngeren Version), die der Junggeselle Seligman (Skarsgård) eines Abends zusammengeschlagen in der Gosse liegen sieht und mit in seine Wohnung nimmt. Dort erzählt sie ihm von ihrem Leben: Wie sie als Mädchen ihre erste Orgasmus-Vision hatte, sich vom jungen Jerôme (Shia LaBeouf) gezielt entjungfern (im 3+5-Schema) und später von Männern wie am Fließband durchvögeln ließ, ihren allerersten Stecher aber nie vergessen konnte, wie irgendwann ihre „Möse taub wurde“ und sie sich mit den „gefährlichen Männern“ einließ.

Zunächst klingt das alles spektakulärer, als es ist: Teil 1 langweilt eher mit seinen aufgesetzt philosophischen Dialogen zwischen Joe und Seligman, als dass er mit tiefen Einblicken in Joes Sexualität verstört. Vermutlich hat der 1. Part deswegen auch 15 Mio. Dollar und der 2. nur noch ein Drittel davon eingespielt. Schade, denn der zweite ist der bessere und entwickelt einen Sog der Faszination, wie man ihn von „Antichrist“ oder „Melancholia“ kennt. Mutig wie immer gibt Gainsbourg die unersättliche Nymphomanin, die sich von Jamie Bell züchtigen lassen muss, um irgendwas zu fühlen. Herrlich ist auch die Balkon-Selbstreferenz von Triers. Was uns das oben zu sehende Artwork sagen soll, wissen wir allerdings nicht: Weder Uma Thurman noch Willem Dafoe noch Udo Kier haben mehr als Mini-Rollen.

OT: Nymphomaniac 1+2, DK/D/FRA/SWE 2013-2014 R: Lars von Trier D: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Jamie Bell, Christian Slater FSK: 16 Jahre L: 231 Minuten Anbieter: Concorde

Ab 20. November 2014 auf DVD und Blu-ray

4

Fazit

Weder von Triers bester noch verstörendster Film, aber ein (vor allem in Teil 2) faszinierender Trip in sexuelle Abgründe

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