Open Windows


Versehentlich zum Stalker geworden: Elijah Wood lässt sich als einfältiger Film-Nerd zum Komplizen eines erpresserischen Hackers machen – um dann den Spieß umzudrehen

Der weltfremde Blogger Nick Chambers kann‘s nicht fassen: Er, der größte und wahrhaftigste Fan des aufsteigenden Hollywood-Sternchens Jill Goddard (Ex-Pornostar Sasha Grey), darf als Gewinner eines Internet-Contests einen Abend mit seinem vergötterten Star verbringen. Jetzt hockt er in seinem Hotelzimmer, bereitet sich auf das große Ereignis vor und zeichnet am Laptop eine Videogrußbotschaft für den Veranstalter des Wettbewerbs auf. Kaum hat er die hochgeladen, geschehen merkwürdige Dinge auf seinem Rechner. Ein Unbekannter startet einen Video-Chat mit ihm und offenbart ihm Unglaubliches: Der gewiefte Superhacker gewährt ihm Zugriff auf Jills Handy und Überwachungskameras in ihrer Nähe. Ehe er sich versieht, schlittert der ebenso verdutzte wie faszinierte Nick in ein böses erpresserisches Spiel hinein. Als „seine“ Jill dabei in höchste Bedrängnis gerät, wächst der schüchterne Nerd über sich selbst hinaus und macht sich auf den Weg, um sie zu retten. Dabei bekommt er unerwartete Hilfe von einer weiteren Hacker-Gang.

Der Spanier Nacho Vigalondo macht aus der Low-Budget-Not eine Tugend und inszeniert seinen Cybertech-Thriller komplett auf dem Desktop von Nicks Computer, wechselt in rasantem Tempo zwischen Video-, Programm- und Chat-Fenstern, zoomt rein und raus – alles in Echtzeit und ohne einen (zeitlichen) Schnitt. Respekt: das hat man in dieser Form noch nicht gesehen! Auch die Story lässt sich als eine Art „Das Programmfenster zum Hof“, sprich High-Tech-Antwort auf Hitchcocks Voyeurismus-Klassiker, gut an. Doch die Figuren, Identitäten und Schauplätze verheddern sich zunehmend zu einem unentwirrbaren Knoten aus absurden Twists und Unwahrscheinlichkeiten. Superhacker, deren großer feuchter Traum ein Raum voll blinkender Computerschränke ist, schleusen sich in Sekunden in x-beliebige Rechner, Autos, Handy, Häuser ein und übernehmen per Mausklick quasi den kompletten Cyberspace – das nimmt ihnen nicht mal der größte NSA-Pessimist ab. Schade drum, denn der in schrägen Außenseiter-Rollen so brillante Elijah Wood erweist sich als Top-Besetzung für den verschrobenen Nerd Nick. Wer es in Sachen Glaubwürdigkeit nicht so genau nimmt, wird hier dennoch auf seine Kosten kommen.

OT: Open Windows, FRA/SPA/USA 2014 R: Nacho Vigalondo D: Elijah Wood, Sasha Grey, Neil Maskell FSK: 16 Jahre L: 100 Minuten Anbieter: Maritim Pictures

Ab 27. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray

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Fazit

Fazit: Innovativ bebilderter und wendungsreicher Echtzeit-Thriller, der sich in einen grotesken Wust diffuser Hacker-Allmachts-Fantasien hineinsteigert

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