Shrew’s Nest


Ein kleiner, gemeiner Kammerspiel-Thriller aus Spanien: Als ein Nachbar buchstäblich in ihre Wohnung stolpert, ist die psychotische Hausherrin von der unerwarteten Gesellschaft überaus angetan.

Der Vater hat sich vor vielen Jahren aus dem Staub gemacht und dürfte mittlerweile tot sein. Die Mutter hat die Geburt der kleinen Schwester nicht überlebt, weshalb sich Montse schon früh um die kleine Nia kümmern musste. Heute sind die Geschwister erwachsen und bewohnen zusammen eine düstere Wohnung im Madrid der fünfziger Jahre. Noch immer herrscht die realitätsfremd gewordene Ältere wie ein Tyrann über ihre kleine Schwes­ter, die sich das noch immer gefallen lässt, weil Montse auf sie angewiesen ist. Die ist zwar eine begnadete Schneiderin, aber ihre Kundschaft muss zu ihr in die Wohnung kommen; wegen einer schweren Agoraphobie kann sie keinen Fuß vor die Wohnungstür setzen. Doch jetzt scheint es das Schicksal endlich mal gut mit ihr zu meinen und liefert neue Gesellschaft sozusagen frei Haus: Der adrette Nachbar Carlos legt einen heftigen Sturz auf der Treppe hin und landet ausgerechnet vor der Wohnungstür der beiden Frauen. Montse holt ihn herein, schient notdürftig sein gebrochenes Bein und flößt ihm gegen die Schmerzen von den guten Opiumtropfen ein, mit denen sie sonst ihr krankes Oberstübchen sediert. Kein Doktor für den Ärmsten, kein Kontakt nach außen: Der Mann gehört ihr allein! Da haben ihr weder Nia noch der zunehmend verängstig­te Carlos hineinzureden.

Eine düstere alte Mietskaserne, ein paar Aufnahmen von der Straße davor – mehr Locations brauchen die spanischen Spielfilm-Neulinge Juanfer Andrés und Esteban Roel nicht für ihr angenehm altmodisches, morbides Psycho-Kammerspiel. Das kann zwar weder mit einer wirklich originellen Story noch mit sonderlicher Glaubwürdigkeit aufwarten, doch die Besetzung reißt es wieder raus – allen voran TV-Darstellerin Macarena Gómez, die mit verletzlicher Verschlagenheit die Haushexe gibt und sich dabei von einem genial fiesen Luis Tosar („Sleep Tight“) in der Rolle des Vaters psychoschikanieren lassen muss.

OT: Musarañas, SPA/FR 2014 R: Juanfer Andrés, Esteban Roel D: Macarena Gómez, Luis Tosar, Hugo Silva FSK: 16 Jahre L: 87 Minuten Anbieter: OFDb Filmworks

Ab 8. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich

3

Fazit

Eine blutig-plüschige „Misery“-Variante, die ihre Drehbuchschwächen mit dichter Budenkoller-Atmosphäre und toller Spielfreude ausgleicht

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Ein Kommentar

  1. Mediennerd 4. Januar 2016

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