Spuren


Mit vier Kamelen und einem Hund wandert die junge Robyn Davidson 1977 über 3.000 Kilometer quer durchs australische Outback. Die Leinwand-Adaption ihrer Memoiren begeistert mit grandiosen Landschaftsaufnahmen

Was für ein verrücktes Unterfangen: 1975 zieht die junge Australierin Robyn Davidson (Mia Wasikowska) nach Alice Springs, um ihren Traum zu verwirklichen – sie will ein paar wilde Kamele zähmen und mit diesen quer durchs Outback bis zum Indischen Ozean wandern. 3.200 Kilometer Fußweg durch gefährliches Territorium – die meisten stempeln sie als verrückt ab. Doch zwei Jahre später, in denen sie viel über Kamelhaltung gelernt und sich vier Tiere beschafft hat, setzt sie ihren Plan – finanziell unterstützt durch das renommierte US-Magazin National Geographic – in die Tat um. Einzige Bedingung des Sponsors: Robyn muss sich ein paar Mal mit dem Fotografen Rick (Adam Driver) treffen, der die Story mit seinen Bildern begleiten soll. Ein notwendiges Übel, das die junge Frau jedoch bald zur Verzweiflung treibt. Die gestellten Fotos des unentwegt plappernden Knipsers spiegeln so gar nicht das wider, was sie sich von ihrer Reise erhofft hat: Sie dürstet nach Freiheit, Ruhe und Einsamkeit mit ihren geliebten Tieren, zu denen auch Hund Diggity gehört. Fernab der Zivilisation findet Robyn zwar schließlich zu sich selbst, doch ihr insgesamt neunmonatiger Trip wird Meile für Meile mehr zum schmerzlichen Martyrium.

Der Weg ist das Ziel – eine buddhistische Weisheit, die wohl auch auf die kuriose Reise der damals 27-jährigen Robyn Davidson zutrifft. Nach dem erfolgreichen Artikel im National Geographic schilderte sie ihren Selbstfindungstrip noch einmal ausführlich im Buch „Spuren“, das „Stone“-Regisseur John Curran hier in fantastischen Bildern inszeniert. Nicht unwesentlich erinnert Davidsons Reise an die von Christopher McCandless in Jon Krakauers Tatsachenroman „Into The Wild“, den Sean Penn 2007 so phänomenal auf die Leinwand bannte. Anders als bei „Alexander Supertramp“ bleiben Davidsons Beweggründe für ihre Weltflucht jedoch etwas nebulös, werden in Rückblenden über das Schicksal ihrer Mutter bloß vage angedeutet. Der „Erkenne dich selbst“-Effekt ihres Trips bleibt für den Zuschauer somit aus, auch wenn Mia Wasikowska hier zweifelsohne mal wieder eine Glanzleistung abliefert. Wirklich sympathisch ist ihre Figur aber nicht gerade.

OT: Trails, AUS 2013 R: John Curran D: Mia Wasikowska, Adam Driver, Emma Booth, Jessica Tovey FSK: 6 Jahre L: 99 Minuten Anbieter: Ascot Elite

Ab 28. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray

4,0

Fazit

Dramaturgisch ist ein wenig Sand im Getriebe dieses rea­len „Into The Wild“-Abenteuers, doch optisch haut einen die Reise der taffen jungen Frau aus den Latschen

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