Still Alice (Kino)

Wenn du vergisst, wer du warst, was bleibt dann von deiner Persönlichkeit übrig? Über ein Leben ohne Vergangenheit muss sich Linguistikprofessorin Alice Gedanken machen – sie hat Alzheimer

Während Deutschland sich für den doch recht oberflächlichen „Honig im Kopf“ (über sechs Mio Kinozuschauer) erwärmt, zeigt das US-Regieduo Richard Glatzer und Wash Westmoreland, wie man jenseits von Fäkalwitzchen und Betroffenheitskino einen tiefgründigen, wahrhaftigen und  berührenden Film zum gerne verdrängten Thema Alzheimer macht.

Alice (Julianne Moore) feiert gemeinsam mit ihrer Familie ihren 50. Geburtstag in einem teuren Lokal in Manhattan. Sie kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken: Mit John (Alec Baldwin) führt sie eine glückliche Ehe, die drei Kinder Tom, Anna und Lydia (top: Kristen Stewart) sind erwachsen und gehen ihren eigenen Weg. Alice liebt ihre Arbeit als Linguistikprofessorin an der Columbia University. Alles ist bestens. Johns Trinkspruch anlässlich der Feier lautet: „Auf die mit Abstand intelligenteste Frau, die ich in meinem ganzen Leben kennen lernen durfte.“ Doch mit der Intelligenz geht es plötzlich rapide bergab. Ihr fallen mitten in einem Vortrag an der Uni gängige Worte nicht mehr ein, sie verliert auf ihrer altbekannten Joggingstrecke durch die Stadt die Orientierung und vergisst wichtige Verabredungen. Ein Besuch beim Neurologen bringt schreckliche Gewissheit: Die erfolgreiche Frau leidet an einer früh einsetzenden Form von Alzheimer, die vererblich ist. Das Familienleben wird von der Diagnose durchein­ander gewirbelt, die fortschreitende Degeneration erschreckt und verwirrt alle. Alice versucht verzweifelt an ihrer Persönlichkeit festzuhalten und die Zeit zu genießen, die sie noch als sie selbst verbringen kann. Ihre Lieben möchten ihr beistehen und ausgerechnet die jüngste Tochter Lydia, die weit weg in Los Angeles lebt, wird unerwartet ihre größte Stütze.

Die intensive Romanverfilmung verlässt sich ganz auf ihre Protagonistin: Julianne Moore zeigt mit unvergleichlicher Präsenz die beste Leis­tung ihrer Karriere und gewann verdientermaßen den Oscar für die beste Hauptrolle.

OT: Still Alice, USA 2014 R: Richard Glatzer, Wash Westmoreland D: Julianne Moore, Kristen Stewart, Alec Baldwin L: 101 Minuten Verleih: Polyband

Ab 5. März 2015 im Kino

5

Fazit

Kein Rührstück über eine grausame Krankheit, sondern ein furioser Kampf um das eigene Ich, der trotz aller Anstrengung aussichtslos ist

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