The Captive


Der Entführer ihrer Tochter lässt den Eltern über Jahre hinweg kleine Hinweise zukommen: Kanadischer Psychoterror der ganz bitteren Art!

Kurzer Stopp am Diner: Matthew will schnell ein bisschen Kuchen für sich und Töchterchen Cassandra holen, die im Auto wartet. Dauert nur zwei Minuten. Die das Leben seiner Familie schlagartig zerstören – denn als Papa zurückkommt, ist die Zehnjährige wie vom Erdboden verschluckt. Die polizeilichen Ermittlungen laufen ins Leere, der fassungslose Matthew gerät sogar selbst unter Verdacht. Während die Eltern und ihre Ehe über die Jahre an der Ungewissheit und Schuldzuweisungen zerbrechen, entwickelt der Entführer Spaß am Psychoterror. Ein ausgefallener Milchzahn, eine einst beim Eislauf gewonnene Trophäe: Immer wieder lässt er ihre Mutter über kleine Lebenszeichen stolpern.

Eisige Landschaften rund um den Niagara-Fall, in Verzweiflung erstarrte Gesichter: Lange, beinahe meditativ ruhige Einstellungen verschmelzen mit dem eindringlichen Soundtrack zu einem von Schwermut durchtränkten Ausnahme-Thriller, der in seinen besten Momenten an Roman Polanski erinnert. An dessen erzählerische Qualitäten reicht der kanadische Film aber nicht heran. Die Motive bleiben vage, mancher Twist wirkt aufgesetzt, verwirrende Zeitsprünge stören den Fluss und verlangen nach Zuschauern mit Durchhaltevermögen. Wer das aufbringen kann, darf sich auf einen immens atmosphärischen Film freuen, der bis zur letzten Minute mit Hochspannung unterhält und vor allem vom glaubwürdig verhärmten Spiel von Ryan Reynolds („Buried“) und Mireille Enos („World War Z“) als Elternpaar lebt.

OT: The Captive, KAN 2014 R: Atom Egoyan D: Ryan Reynolds, Scott Speedman, Rosario Dawson, Mireille Enos FSK: 16 Jahre L: 108Minuten Anbieter: Ascot Elite

Ab 27. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray

3

Fazit

Psychogramm eines teuflischen Spiels zwischen Trauma, Hoffnung und Verzweiflung – nicht immer rund, aber angefüllt mit faszinierend bleischwerer Melancholie

Sending
Leserwertung 3 (1 vote)

Trailer

Kommentar verfassen