The Salvation


Als besoffene Banditen seine Frau und seinen Sohn töten, spielt ihnen Farmer Mads Mikkelsen ein gnadenloses Lied vom Tod – in der extra finsteren skandinavischen Version

Sieben Jahre ist es her, dass der Däne John nach Amerika gekommen ist. Damals noch Soldat, hat er die Waffe längst gegen die Schaufel eingetauscht, bewirtschaftet ein karges, aber immerhin eigenes Stück Land. Jetzt ist es endlich an der Zeit, seine Frau und seinen kleinen Sohn aus der alten Heimat nachzuholen. Nach dem Wiedersehen am Bahnhof müssen sie sich die Postkutsche mit zwei Betrunkenen teilen, die sich als frisch aus dem Knast entlassene, brandgefährliche Banditen entpuppen und Johns Frau und Sohn ermorden. Außer sich vor Wut und Schmerz bringt er die Täter noch an Ort und Stelle zur Strecke. Doch damit kommt der Stein erst richtig ins Rollen. Die Killer gehören zur Bande des gefürchteten Delarue (Jeffrey Dean Morgan, „Watchmen“), einer war sogar sein Bruder. Der skrupellose Gangsterboss nimmt kurzerhand eine komplette kleine Siedlung als Geisel und stellt ihnen ein mit Blut untermauertes Ultimatum, den Schuldigen zu ermitteln und auszuliefern. Es dauert nicht lange, bis man John verdächtigt, gefunden, durchgeprügelt und gefesselt hat, damit Delarue seine Vergeltungsfantasien an ihm ausleben kann. Und sicher hat auch seine stumme Schwägerin Madeleine (Eva Green) Lust, es ihm für den Tod ihres Mannes heimzuzahlen.

Der dänische Regisseur Kristian Levring ist sozusagen unterwegs für eine Handvoll Kronen: Der ehemalige Mitbegründer der legendären Dogma-95-Bewegung macht eine tiefe Verbeugung vor Sergio Leone,  Clint Eastwood  und Co. und vermengt seine Spaghetti-Western-Hommage mit düsterer nordischer Melancholie – ein atmosphärischer Mix, der es in sich hat. Mads Mikkelsen, Dänemarks Star-Export Nummer eins, verleiht dem einsamen Rächer eine beinahe mystische emotionale Tiefe und Würde. Die schlichte Story lässt sich viel Zeit, um langsam, aber gewaltig in Fahrt zu kommen und bietet bei aller Geradlinigkeit genügend Nischen und Schlupflöcher für kleine moralische Grauzonen wie die Frage, wie viel Mitschuld sich jeder einzelne der kuschenden Dorfbewohner aufbürdet. Doch es klebt auch ein wenig Schmutz am Stiefel. Denn so imposant und ästhetisch die staubigen Weiten und gegerbten Visagen wirken, so sperrholzkünstlich und aufgepflanzt sehen viele Gebäude und Kulissen aus. Manchmal findet der gelernte Cutter Levring nicht zum richtigen Rhythmus, erlaubt sich kleine dramaturgische Durchhänger im Mittelteil und verblüfft mit plötzlichen Sprüngen, die so wirken, als ob er nachträglich komplette Nebenstränge entfernt hätte.

OT: The Salvation, DK/GB/Südafrika 2014 R: Kristian Levring D: Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan, Eric Cantona, Mikael Persbrandt FSK: 16 Jahre L: 89 Minuten Anbieter: Concorde

Ab 24. Februar 2015 auf DVD und Blu-ray

4

Fazit

Ein bleihaltiger und zum Greifen schwermütiger Remix aus klassischen Italo-Western-Versatzstücken, perfekt zugeschnitten auf den großartigen Mads Mikkelsen

Trailer

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