The Zero Theorem


Annahme: null ist hundert Prozent. Beweis: hat der exzentrische Programmierer Christoph Waltz gerade in der Mache in diesem surreal existenzialistischen Psychotrip von Exzentriker Terry Gilliam

Wenn er doch nur zuhause arbeiten könnte statt in diesem lärmschrillen Büro! Qohen Leth ohne „u“ (Chris­toph Waltz in echt mal anders), absolute Welt­spitze in Sachen Mathematik und Neurotischsein, kann „Management“ (Matt Damon) davon überzeugen, dass er ab sofort in seinen eigenen vier (Kirchen-)Wänden werkeln darf. Ist schließlich auch eine große Sache, die man ihm anvertraut hat: Er soll beweisen, dass null gleich hundert Prozent ist, dass alles nichts ist, dass das Universum sich wieder zu einem endlos verdichteten Nullpunkt zusammenzieht. Das ist harte Arbeit: Tag für Tag stapelt Qohen am Bildschirm Formelfragmentwürfel zu gigantischen Mathetürmen aufeinander, während ihn eine Stimme aus dem dauerklingelnden Telefon plärrend an seinen engen Zeitrahmen und Upload-Termine erinnert. Wer soll sich denn da konzentrieren können?

Der Mann braucht Unterstützung und Zerstreuung. Die vir­tuelle Psychotherapeutin Dr. Shrink-ROM (herrlich gaga: Tilda Swinton) überwacht, analysiert und kritisiert Qohens Macken. Die attraktive Kindfrau Bainsley bringt einen Hi-Tech-VR-Anzug vorbei, mit dem Qohen in virtuelle Gedankenwelten abtauchen kann, außerdem schickt Management seinen computerbegabten Teenager-Sohn Bob als Helfer und Motiviationsschub. Fragt sich, ob das die richtige Strategie ist. Der menschenscheue Qohen fühlt sich von der unerwünschten Gesellschaft belästigt, doch allmählich beginnt der ungewohnte Umgang mit anderen etwas in ihm zu verändern.

Auf den Stand der Technik upgedatete Überwachungsstaat-Paranoia nach Art von „Brazil“, surreal kostümierte Freaks und Gestalten wie in einem Film von Alejandro Jodorowsky, eingebettet in eine angegrabbelte Hi-Tech-Kirmes-Parallelwelt voller Graffitis und Müll: Ex-Monty-Python Terry Gilliam greift tief in seine unermesslich scheinende Ideen- und Trickkiste. Wer Blockbuster-Qualitäten à la „12 Monkeys“ erwartet, könnte von dem auf wenige (aber tolle) Sets beschränkten Film enttäuscht sein. Wer auf anregende Independent-Kost steht, den wird die philosophisch durchtränkte, schräge Story aber noch bis lang nach dem Abspann beschäftigen. Die Deutungshoheit bleibt einmal mehr beim Zuschauer.

OT: The Zero Theorem, GB/Rumänien 2013 R: Terry Gilliam D: David Thewlis, Christoph Waltz, Mélanie Thierry FSK: 12 Jahre L: 103 Minuten Anbieter: Concorde

Ab 9. April 2015 auf DVD und Blu-ray

4

Fazit

Eine rummelplatzbunte, kafkaeske Dystopie voll liebenswert bizarrer Gestalten – keine seichte Kost, sondern ein anregender Fall für Um-die-Ecke-Denker

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