Turning Tide


Einhandsegeln darf man nicht zu zweit: Ein junger blinder Passagier bringt einen ehrgeizigen Skipper während einer weltumspannenden Mega-Regatta in die Bredouille

Als sich sein Kumpel Franck bei einem Unfall die Beine bricht, schlägt die große Stunde für Segler Yann Kermadec. Gegen den Widerstand von Frau und Tochter geht er für ihn beim legendären Vendée Globe an den Start, um in einem immensen Kraftakt allein die Erde zu umsegeln. Die Regatta lässt sich wirklich gut an, doch dann muss er wegen kleinerer Reparaturarbeiten vor den Kanaren ankern. Erst Tage später entdeckt Yann den jungen Flüchtling Mano, der sich dabei unbemerkt an Bord geschlichen hat. Der Skipper ist außer sich vor Wut – der unfreiwillige Begleiter wäre schließlich ein Grund für die Disqualifikation. Was tun? Weil ein weiterer Landgang nicht drin ist, müssen sich die beiden wohl oder übel miteinander arrangieren – und dabei immer schön aufpassen, dass der Junge bei Telefonaten und Videokonferenzen mit der Außenwelt nicht versehentlich dazwischenfunkt.

Von der französischen Atlantikküste Richtung Süden und dann in den antarktischen Gewässern einmal um den Erdball: Mit ihrer 24.000 Seemeilen langen Strecke in rauen Gewässern gilt die alle vier Jahre stattfindende Vendée Globe als härteste Einhandregatta der Welt. Die mindestens 11 Wochen lange Reise verlangt Mensch und Material alles ab, seit der ersten Austragung in 1989 kam es immer wieder zu schweren oder gar tödlichen Unfällen. Der erstmals als Regisseur agierende Kameramann Christophe Offenstein weiß die extremen Bedingungen gekonnt einzufangen und lässt dem Zuschauer in seinen auf hoher See gedrehten Bildern regelrecht die Gischt um die Nase fliegen – ein eindrucksvolles Erlebnis für alle, die sich zwischen Wanten, Stagen und Schoten zuhause fühlen. Doch dramaturgisch herrscht große Flaute. Verzweifelter Überlebenskampf gegen die Naturgewalten à la Robert Redford in „All Is Lost“? Findet nicht statt, denn dank Satellitentelefon, Datennetz und GPS ist Hilfe praktisch nur einen Knopfdruck entfernt. Mitfiebern bei packenden Kopf-an-Kopf-Duellen? Die kommen bei dieser Streckenlänge und Dauer nicht vor. Das hin- und herkreuzende Drehbuch degradiert sogar die anfangs spannungsgeladene Beziehung zwischen den grundverschiedenen Männern zum inhaltlich und emotional belanglosen Beiwerk. Da kann auch der sehr überzeugend agierende „Ziemlich beste Freunde“-Star François Cluzet das Ruder nicht mehr rumreißen.

OT: En solitaire, FRA 2013 R: Christophe Offenstein D: François Cluzet, Samy Seghir, Virginie Efira FSK: 12 Jahre L: 97 Minuten Anbieter: Senator

Ab 12. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray

3,0

Fazit

Das ziellos umherdümpelnde Seglerdrama ging im Kino zwar gar nicht erst an den Start, die spektakulären Bilder sind aber eine Offenbarung für Wassersportfans

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