Zeit der Kannibalen


Ein Film wie ein eitriger Pickel, der auf der Mattscheibe ausgedrückt wird: Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler legen als nölende Manager eine Riesenshow hin

Die Unternehmensberater Öllers (Devid Striesow) und Niederländer (Sebastian Blomberg) bereisen die ganze Welt. Aber das Hotel verlassen und nach draußen gehen? „Bist Du wahnsinnig?!“, blafft Niederländer seine neue Kollegin Bianca (Katharina Schüttler) entgeistert an. „Weißt Du, welche Krankheiten Du Dir da holst?“. Die ganze Welt besteht für Öllers und Niederländer aus Zimmern und Konferenzräumen in Luxushotels. Egal, ob Indien oder Nigeria – ihr Reich sieht überall gleich aus. Die beiden haben ohnehin anderes zu tun, als vor die Türe zu gehen. Kollege Hellinger hat es nämlich geschafft, im Gegensatz zu ihnen. Er ist Partner der „Company“ geworden, Teilhaber. Er ist ganz oben angekommen, dort, wo auch sie hinwollen. „Ich wette, der kauft sich einen Cayenne“, nölt Öllers beleidigt. Noch dazu ist da jetzt diese neue Kollegin, die mit ihrem sozialen Getue nervt und die, wie sich bald herausstellt, beide im Dienste der Company beurteilen soll. Während Öllers wie üblich Zimmermädchen vernascht und Niederländer das Personal antreten lässt, weil er in seinem Zimmer eine Mücke entdeckt hat, verlieren die beiden immer mehr die Nerven – und da draußen braut sich auch noch etwas zusammen. Schüsse fallen, der Strom fällt aus – die Welt drängt ins Hotel hinein.

Öllers und Niederländer sind vom Dasein in der Finanzelite deformierte Deppen, die nur noch in einer Blase existieren. Die kenntlich zu machen, ist das Verdienst dieser Satire. Sie spielt ausschließlich im Hotel, ist aber ein Kammerspiel jenseits deutschen Bedenkenträgerkinos: Krasse Dialoge, die die gefilterte Luft wie Skalpelle durchschneiden und eine heftige Story, die ihre „Helden“ buchstäblich bis auf die Unterhose auszieht.

OT: Zeit der Kannibalen, D 2014 R: Johannes Naber D: Devid Striesow, Sebastian Blomberg, Katharina Schüttler, Romesh Ranganthan FSK: 12 Jahre L: 93 Minuten Anbieter: Lighthouse

Ab 12. Dezember 2014 als DVD und Blu-ray

4

Fazit

Hysterisch, böse und mit Kult-Potenzial: Deftige Satire, die ihre Anzugtypen als neurotische Knallchargen entlarvt

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