Zulu


Forest Whitaker und Orlando Bloom bringen brandgefährliche Ungeheuerlichkeiten aus der Apartheids-Ära ans Tageslicht

Nahe bei Kapstadt wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau aufgefunden, der toxikologische Bericht deutet auf ein Verbrechen im Drogenmilieu hin. Der nachdenkliche schwarze Ermittler Ali Sokhela (Forest Whitaker), sein dem Suff verfallener, streitbarer weißer Kollege Brian Epkeen (Orlando Bloom) und ihr Kollege Stan Fletcher übernehmen die Ermittlungen. Die Spuren führen zu einem stadtbekannten Drogenboss. Auf der Suche nach ihm geraten die drei am Strand mit einer Bande von Dealern aneinander, die Stan auf brutale Weise mit einer Machete verletzen und töten – eine drastische Botschaft. Ohnehin stellt sich bald heraus, dass hinter der Sache mehr steckt als eine „normale“ Drogengeschichte. Im Internet stößt eine Kollegin auf Verbindungen zu einer dubiosen Sicherheitsfirma, während einer Razzia im Lokal eines Unterweltbosses geraten die Polizisten in einen Hinterhalt, der viele Gäste und Cops das Leben kostet. Sokhela und Epkeen scheinen förmlich in ein Wespennest gestochen zu haben, dessen Ausläufer bis weit in die finstere Ära der Apartheid hineinreichen.

Ghetto-artige Townships voller Armut, alte Drahtzieher des Apartheids-Regimes, die wieder auf hohen Posten sitzen, skrupellose Forschungsprojekte gegen die schwarze Bevölkerung: „Largo Winch“-Regisseur Jérôme Salle nimmt für einen Genrefilm reichlich heiße Eisen in die Hand, um seinem in authentisch wirkende,  grobschlächtige Bilder gekleideten Thriller politische und gesellschaftliche Tiefe zu verleihen. Doch seine Rechnung will nicht ganz aufgehen: Die angerissenen historischen Fakten und eingestreuten Rückblenden erweitern die ziemlich labyrinthartige Erzählung lediglich um ein paar weitere Kreuzungen und Sackgassen, ohne wirklich tragfähige politische oder gesellschaftskritische Eckpfeiler zu setzen. Weniger wäre mehr (und glaubwürdiger) gewesen, zumal sich selbst aufmerksame Zuschauer in dem verwirrenden Bösewichtnetzwerk verheddern können. Forest Whitaker bildet mit seinem intensiven, ungekünstelten Spiel das charismatische Zentrum des Films, während Orlando Bloom als (durchaus klischeehaft) versoffener Knautsch-Detective beweist, dass auch ein Rüpel in ihm steckt. Die Ermittlungen der Kapstadt-Cops sollten sich aber nur Zuschauer mit grundsolider Härtetoleranz zumuten, denn die Ekelleichen, fiesen Folter­szenen und saftigen Schusswunden bringen dem ungeschnittenen Film völlig zu Recht eine FSK-Freigabe ab 18 Jahren ein.

T: Zulu, FRA/RSA 2013 R: Jérôme Salle D: Orlando Bloom, Forest Whitaker, Conrad Kemp FSK: 18 Jahre L: 106 Minuten Anbieter: Studio Hamburg

Ab 31. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray

4,0

Fazit

Stark gespielter, knochenharter Reißer in ungewohntem Milieu, der das Potenzial seines politisch und gesellschaftlich aufgeheizten Szenarios aber nicht ganz auszunutzen weiß

Sending
Leserwertung 0 (0 votes)

Trailer

Kommentar verfassen