Zweite Chance


Nach dem Tod seines kleinen Sohnes begeht ein Polizist eine folgenschwere Dummheit, die sein Leben aus den Angeln heben wird: eine etwas befremdliche Lehrstunde in Sachen Bitterkeit von Autorenfilm-Koryphäe Susanne Bier.

Manchmal ist der Job einfach nicht mehr zu ertragen. Etwa, wenn Polizist Andreas und sein Kollege Simon bei Dealer Tristan nach dem Rechten sehen. Der verrohte Fiesling haust mit seiner Freundin Sanne in einer völlig vermüllten Bude und haut sich mit ihr zusammen Heroin und andere harte Sachen rein, während Baby Sofus in der Ecke in seinem eigenen Dreck liegt. Man müsste ihnen den Kleinen wegnehmen – doch so lange noch nicht wirklich was passiert ist, sind den Behörden die Hände gebunden. Andreas blutet das Herz, schließlich ist er seit kurzem selbst stolzer Vater eines kleinen Sohnes, den er über alles liebt. Doch dann geschieht das Unfassbare: Eines Tages liegt der kleine Alexander tot in seinem Bettchen. Andreas Frau Anne ist völlig außer sich, droht sich umzubringen – und so fasst der Polizist einen ungeheuerlichen Plan: Bei Nacht und Nebel tauscht er die Leiche des Kindes gegen das Baby des Junkie-Pärchens aus. Soll doch nicht zum Schaden des kleinen Sofus sein, oder?

Vorzeigefamilie trifft auf kotverschmiertes Elendsbaby, behagliche Strandhaus-Heilewelt auf versiffte Ekelbutze, aufrechter Staatsdiener und liebender Papa auf asozial verwarzte Junkies: Susanne Bier („In einer besseren Welt“), Dänemarks oscarprämierte Fachfrau für filmische Bitterstoffe, trägt mit der dicken Kelle auf, verwebt große Gesten und Gefühle zu einer Familientragödie von geradezu Shakespearschen Dilemma-Dimensionen. Feingeister werden an der verwegen konstruierten Geschichte und ihrer teils löchrigen Logik keinen Spaß haben. Aktion Babytausch hat aber durchaus ihre Momente, gefällt mit grandios durchkomponierten Bildern, wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf und bietet genügend moralischen und emotionalen Zündstoff, um bis lange nach dem Abspann nachzuwirken – vor allem das Verdienst der überzeugenden Darsteller um „Game Of Thrones“-Star Nikolaj Coster-Waldau als Andreas und Dänemarks Urgestein Ulrich Thomsen als sein poltriger Freund und Kollege Simon.

OT: En chance til, DK/SWE 2015 R: Susanne Bier D: Nikolaj Coster-Waldau, Maria Bonnevie, Ulrich Thomsen, Nikolaj Lie Kaas FSK: 12 Jahre L: 94 Minuten Anbieter: Prokino

Ab 17. September 2015 auf DVD und Blu-ray

3,0

Fazit

Subtil geht anders, doch die plakativ inszenierte Moral-Zwickmühle wartet mit einigen überraschenden Twists und emotional packenden Momenten auf. Taschentuchalarm!

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