Filmland Australien

Kängurus, Koalas und ein ganzer Kontinent voller Wüsten, Strände, Urwälder und verrückter Felsformationen. Das Bild Australiens wird vor allem von seiner grandiosen Natur geprägt. Was so in der dortigen Kultur abgeht, ist dagegen weniger bekannt. Dabei wäre Hollywood ohne den beständigen Nachschub aus dem Land vom anderen Ende der Welt um einige Stars und Talente ärmer. Vor allem aber lohnt sich ein Blick auf die australische Filmgeschichte, die zwar langsam begann, aber dann umso mehr aufdrehte

„Australia“ von Baz Luhrmann mit zwei der berühmtesten Stars des Landes: Nicole Kidman und Hugh Jackman

„Australia“ von Baz Luhrmann mit zwei der berühmtesten Stars des Landes: Nicole Kidman und Hugh Jackman

Zwei Polizisten machen sich in der australischen Wildnis einen Spaß daraus, auf Papageien zu schießen. Da tauchen vier verwegene Gestalten auf, ballern wild durch die Gegend und lassen die Cops in Unterhosen strammstehen. Die Ned-Kelly-Gang hat wieder zugeschlagen! Die Szene stammt aus „Die Geschichte der Kelly-Bande“ von 1906 – mit 70 Minuten der erste Langfilm der Filmgeschichte. Australien ist zwar down under, aber das Filmvirus infizierte den Kontinent nach der ersten Kinovorstellung 1896 rasend schnell.

 

1996 springt Geoffrey Rush mit „Shine“ zu Ruhm und Ehre

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HOLLYWOOD KAUFT EIN

Allerdings blieb der Erfolg von „Die Geschichte der Kelly-Bande“, der über 20 Jahre in den Kinos Australiens und Englands lief und dem Regisseur Charles Tait ein Vermögen einbrachte, für lange Zeit die Ausnahme. Schon 1897 war zwar in Melbourne das erste Filmstudio gegründet worden, doch deren Betreiber waren nicht aufs Geschichtenerzählen aus, sondern wollten Seelen retten: Die Heilsarmee ließ hier religiöse Werke produzieren. Aber auch richtige Filmemacher gründeten kleine Studios, und bis 1914 stieg die Anzahl der in Australien produzierten Titel Jahr für Jahr an. Dann aber ging es steil bergab mit der jungen Filmindustrie. Nicht nur der Erste Weltkrieg war Schuld am Niedergang. Ausgerechnet das beliebteste Genre der Australier, der „Bushranger“ genannte Western, wurde 1912 landesweit verboten. In das entstehende Vakuum stießen die amerikanischen Filmstudios. Sie schlossen mit australischen Kinos exklusive Deals ab, die daraufhin ausschließlich US- Produkte spielten. 1923 kamen 94 Prozent aller in Australien gezeigten Streifen aus Hollywood. Die einheimische Filmindustrie verfiel gleichsam gelähmt für viele Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf.

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