Filmland Australien

IMMER DIESER WELTUNTERGANG

Der düstere,  mysthische, von der austra-lischen Landschaft geprägte Ton, den „Picknick am Valentinstag“ einführte, lässt sich bis in aktuelle Produktionen nachverfolgen. John Hillcoats psychedelischer Western „The Proposition“ (2005) nach einem Drehbuch des Musikers Nick Cave ist ein gutes Bei-spiel. Im gleichen Jahr machte der äußerst unangenehme Serienkiller-Thriller „Wolf Creek“ (2005) von sich reden. Aktuell zählt das Weltuntergangs-Drama „The Rover“ (2014) dazu, und der Thriller „Strangerland“ mit Nicole Kidman, der 2015 in die Kinos kommt, scheint sich ebenfalls mit dystopischen Elementen auseinanderzusetzen.

 

„Priscilla“: Königinnen bringen Farbe in die australische Wüste

„Priscilla“: Königinnen bringen Farbe in die australische Wüste

DER GRÖSSTE HIT

Neben Weir und Schepisi begannen in den Siebzigern zwei weitere Regisseure von Weltruf, ihre Karrieren hoben aber erst in Hollywood ab: Bruce Beresford („Miss Daisy und ihr Chauffeur“, 1989) und Roger Donaldson („Die Bounty“, 1984). Typisch: Kaum sind Filmkünstler in Australien erfolgreich, verschwinden sie auch schon auf Nimmerwiedersehen nach Kalifornien. Darum wurde es in den Achtzigern wieder stiller um das australische Kino. Es dauerte, bis neue Talente nachwuchsen. In diese Stille hinein platzte der größte internationale Kinoerfolg des australischen Kinos überhaupt: Paul Hogans „Crocodile Dundee“ spielte weltweit über 300 Millionen Dollar ein. 1989 deutete sich mit dem überragenden Thriller „Tödliche Stille“ an, dass das neue Jahrzehnt wieder lebendigeres Kino aus Down Under versprach. Auch wenn mit dem Film der nächste künftige Superstar  nach Hollywood exilierte: Nicole Kidman.

 

„Quigley, der Australier“: „Magnum“ Tom Selleck goes Outback

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AUFBRUCH IN DIE GEGENWART

Tatsächlich waren die Neunziger die bisher produktivste Periode des australischen Kinos. Vor allem deshalb, weil junge Filmemacher moderne, in den Städten angesiedelte Genres abseits von Thriller oder Western für sich entdeckten. Den Anfang machte der neue Regie-Star Baz Luhrmann mit dem Tanzfilm „Strictly Ballroom“ (1992). Ein Jahr später spielte ein junger Schauspieler namens Russell Crowe in „Romper Stomper“ einen Neonazi, der in Melbourne Jagd auf vietnamesische Einwanderer macht. Ihm folgten in den kommenden Jahren viele Darsteller, die heute zu den großen Stars zählen: Toni Colette spielte in der Tragikomödie „Muriels Hochzeit“ und Guy Pearce machte sich für das Dragqueen-Drama „Priscilla – Königin der Wüste“ (beide 1994) hübsch. Geoffrey Rush gelang mit „Shine“ der internationale Durchbruch. Die Soap „Home and Away“ wurde für Heath Ledger, Naomi Watts und Chris Hemsworth zum Trainingslager. Eric Bana spielte im Jahr 2000 in dem durchgeknallten Thriller-Drama „Chopper“, „Wolverine“ Hugh Jackman fuhr im gleichen Jahr erstmals in „X-Men“ die Klauen aus. Cate Blanchett machte 1997 mit der britischen Produktion „Elizabeth“ von sich reden und gewann 2013 für die Hauptrolle in Woody Allens „Blue Jasmin“ den Oscar. Zu diesen etablierten Stars stieß jüngst Sam Worthington, der vor „Avatar“ in einer australischen „Macbeth“-Va­rian­te begeisterte. Zum Kritikerdarling hat sich Mia Wasikowska entwickelt, die nach internationalen Erfolgen für das Drama „Spuren“ 2013 nach Australien zurückkehrte. Mittlerweile, ist ja klar, dreht sie aber schon wieder in Hollywood. Der Sog der Traumfabrik auf die Aussies hält weiter an. [Oliver Kaever]

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