Filmland Großbritannien

 „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ machte Hugh Grant zum Star

„Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ machte Hugh Grant zum Star

WITZIG, GRUSELIG, SKANDALÖS

Die Erfolge setzten sich in den Fifties fort, als in England Komödien schwer in Mode kamen. Die „Doktor“-Filmreihe lief von 1954 bis 1970, die „Ist ja irre“-Reihe brachte es zwischen 1958 und 1992 auf dreißig bekloppte Klamotten. Ihre Vorliebe für schwarzen Humor spielten die Engländer zum Beispiel mit der tollen Komödie „Ladykillers“ mit Alec Guinness und dem jungen Peter Sellers aus. Auch für Horrorfans begann in den Fünfzigern eine spannende Epoche: Die „Hammer Film Productions“ starteten ihre Produktion von klassischem gothic horror in Form von billigen, aber stylishen B-Movies. Während des Krieges waren Horrormovies komplett verboten gewesen, jetzt wurden Titel wie „Frankensteins Fluch“ (1957) und „Dracula“ (1958) zu Hits und machten Chris­topher Lee und Peter Cushing zu Stars. 1960 drehte Michael Powell für Hammer den größten Skandalfilm der englischen Filmgeschichte: „Peeping Tom“ (deutscher Titel: „Augen der Angst“, 1960) zeigte ausgerechnet Karheinz Böhm, den deutschen Darsteller aus den „Sissi“-Filmen, als perversen Frauenkiller. Heute als Meisterwerk gefeiert, stieß der Film damals auf entsetzte Kritiker und machte Powell zur persona non grata.

In den Sechzigern wurde das britische Kino endgültig zu einem weltweit ge­feier­ten Phänomen. Der Erfolg hatte einen Namen: Bond. James Bond. Dabei war der erste Bond-Film „007 jagt Dr. No“ von 1962 eher ein Low-Budget-Thriller, der an der Kinokasse kein sofortiger Erfolg war, sondern sein Publikum erst langsam eroberte. Aber schon bald sorgte er über die englischen Grenzen hinaus für Furore, und der Nachfolger „Liebesgrüße aus Moskau“ wurde ein weltweiter Box-Office-Hit. 21 weitere sollten folgen. Das Genre des Spionage-Thrillers schien den Engländern plötzlich ganz allein zu gehören. Mit Harry Palmer erschien 1965 in „Ipcress – Streng geheim“ ein weiterer Agent auf der Leinwand. Die Figur, die übrigens viele als smarter als James Bond empfanden, machte Michael Caine zum Star. Zwei Sequels entstanden. Auch „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1965) nach John le Carré mit Richard Burton in der Hauptrolle war ein internationaler Erfolg.

 

Colin Firth: Oscar-Gewinner  für „The King‘s Speech“

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KULTIG, RHYTHMISCH, EPISCH

Überhaupt war England plötzlich Kult. Die swinging sixties machten London zur coolsten Metropole der Welt und das gute alte britische Königreich zu cool britannia.  Die Welt hörte englische Rockmusik und sah englische Filme. Lässige Komödien wie „Der gewisse Kniff“ (1965) und „Alfie“ (1966) ließen die Party-Szene, die Musik, die Mode aufleben. Natürlich durften Beatles-Filme wie „A Hard Day‘s Night“ (1964) nicht fehlen. Der wurde übrigens ausgerechnet von einem Amerikaner gedreht, Richard Lester nämlich. Er blieb nicht der einzige Westküstler, der nun den umgekehrten Weg einschlug, was den Engländern späte Genugtuung verschaffte. Joseph Losey zum Beispiel stand in den USA auf der schwarzen McCarthy-Liste und durfte dort nicht arbeiten. In England drehte er mit „Der Diener“ (1963) ein Meisterwerk. Der größte unter den Auswanderern war natürlich das Genie Stanley Kubrick („2001: Odyssee im Weltraum“). Er kam in den frühen Sechzigern nach England und blieb für den Rest seiner Karriere. Auch die großen Studios aus Hollywood erkannten das Potenzial der britischen Filmindustrie und kehrten dorthin zurück. Mit ihrer finanziellen Unterstützung entstanden historische Epen wie der unsterbliche „Lawrence von Arabien“ (1962) von David Lean, „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“ oder „Khartoum“ mit Laurence Olivier und Charlton Hes­ton (beide 1966). Die Sixties endeten mit einem sensationellen Erfolg der Engländer beim gro­ßen Rivalen: Bei den Acadamy Awards 1968 wurde das Musical „Oliver“ mit sechs Oscars ausgezeichnet, darunter die für den besten Film und für Carol Reed als bester Regisseur.

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