Filmland Großbritannien

Britische Komödien brachten die Welt zum Schmunzeln: „Ganz oder gar nicht“

Britische Komödien brachten die Welt zum Schmunzeln: „Ganz oder gar nicht“

GEWALT, ARMUT, CHAOS

Danach war es vorbei mit der Champagnerlaune. Wirtschaftlich stand das Königreich in den Siebzigern vor dem finanziellen Ruin. Hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Armut – plötzlich war Britannien gar nicht mehr so cool. Die Hollywood-Studios ließen England fallen wie eine heiße Kartoffel. Entsprechend düster waren die Filme. Gewalt, Anarchie, Chaos regierten die Leinwände. Den Ton gab Stanley Kubrick 1971 mit „Uhrwerk Orange“ vor. Nicolas Roeg schuf 1973 mit „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ einen der düstersten übernatürlichen Thriller aller Zeiten, und der Horror-Kult „The Wicker Man“ aus dem gleichen Jahr verströmte auch keine gute Laune. Wenigstens sorgte eine Comedy-Truppe aus dem Fernsehen auch auf den Leinwänden für Lacher: Monty Python klapperte 1975 mit „Ritter der Kokosnuß“ in die Kinos und feierte 1979 mit „Das Leben des Brian“ einen noch absurderen, größeren Hit. Wenn die Amis schon keine englischen Filme mehr produzierten, drehten die Studios wenigstens noch in England – allerdings nur, weil sie hier im großen Stil Steuern abschreiben konnten. „Superman“ entstand 1978 in Pinewood, ­„Alien“ ein Jahr später in Shepperton. Der Sci-Fi-Klassiker wurde wenigstens von einem englischen Regisseur gedreht, der damit zu den ganz Großen aufstieg: Ridley Scott. Allerdings verdrückte der sich schnell nach Hollywood, so wie die anderen jungen Talente Adrian Lyne („Eine verhängnisvolle Affäre“) und Alan Parker („Mississippi Burning“). 1981 wurden in England nur 24 Filme produziert, die geringste Anzahl seit 1914.

 

Acht Filme, sieben Milliarden Umsatz: Die „Potter“-Filme waren eine Geldmaschine

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EISERN, GRIMMIG, FREI

Immerhin sorgten die Erfolge von „Die Stunde des Siegers“ (1981 vier Oscars) und „Gandhi“ (Oscar für den besten Film 1983) für Hoffnung. Die Achtziger blieben ein schwieriges Jahrzehnt, brachten aber mit Terry Gilliams grimmiger Zukunftsvi­sion „Brazil“ (1985) und der großartigen Komödie „Ein Fisch namens Wanda“ mit seinem Ex-Monty-Python-Kollegen John Cleese unverwüstliche Klassiker hervor. Regisseur James Ivory und Produzent Ismail Merchant hatten mit „Zimmer mit Aussicht“ (1985) ihren ersten großen Hit, auf den viele weitere Filme über die untergehende englische Aristokratie folgen sollten, darunter „Wiedersehen in Howard‘s End“ und „Was vom Tage übrig blieb“. In der Independentszene, die mit frischen, frechen Filmen gegen die unbeliebte Regierung der Eisernen Lady Margaret Thatcher polemisierte, stiegen Daniel Day-Lewis, Gary Oldman, Colin Firth und Tim Roth zu Stars auf.

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