Filmland Großbritannien

Dame Judi Dench macht Werbung für ihre Heimat

Dame Judi Dench macht Werbung für ihre Heimat

ROCKIG, POPPIG, COOL

So rasant, wie es für die englische Filmindustrie zwanzig Jahre zuvor bergab gegangen war, so imposant war der Wiederaufstieg in den Neunzigern. Im Vergleich zu 1989 versiebenfachte sich das Investment in britische Produktionen bis 1996. Klar, wieder mal hatte Hollywood seine Hände im Spiel. Nach dem berauschenden Erfolg von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1994), der weltweit über 200 Millionen Dollar einspielte und Hugh Grant zum neuen Darling machte, waren die Studios plötzlich wieder da. Der neue Premier Tony Blair trat auf wie ein Popstar, Lady Dianas Tod schockte die Welt, Blur und Oasis rockten – und cool britannia war wieder aufgetaucht. Auch im Kino mit Komödien („Notting Hill“,) Historien-Dramen („Elizabeth“), Edel-Horror („Interview mit einem Vampir“) und Thrillern („The Crying Game“). Sogar Shakespeare-Verfilmungen kamen durch Kenneth Branagh („Viel Lärm um Nichts“, „Hamlet“) wieder in Mode. Auch Kostümfilme wie „Sinn und Sinnlichkeit“ (1995, mit Emma Thompson) oder „Emma“ (1996, mit Gwyneth Paltrow) fanden ihr Publikum.

 

US-Schauspieler Robert Downey Jr. durfte die britische Kultfigur Sherlock Holmes verkörpern

US-Schauspieler Robert Downey Jr. durfte die britische Kultfigur Sherlock Holmes verkörpern

MAGISCH, LAUT, LEISE

Der Hollywood-Trend, massiv in englische Filme zu investierten, verschärfte sich ab dem Jahr 2000 noch. Kein Wunder, schließlich lief das Geschäft hervorragend: Die beiden „Bridget Jones“-Komödien spielten zusammen knapp über 500 Millionen Dollar ein; das Romanzen-Mosaik „Tatsächlich… Liebe“ 239 Millionen; das „Abba“-Musical „Mamma Mia“ gar 601 Millionen! Am bes­ten war das amerikanische Geld natürlich in der „Harry Potter“-Reihe angelegt. Die acht Filme brachten mit 7,7 Milliarden Dollar die Kassen zum Klingeln. Aber das englische Kino hatte in der jüngsten Vergangenheit nicht nur Blockbuster zu bieten. Wunderbar britisch-verschroben sind etwa die Knetfiguren der Aardman Studios aus „Hennen rennen“ und „Wallace & Gromit“. Auch nicht vergessen sollte man die kleinen, feinen Filme von Michael Winterbottom („24 Hour Party People“), Mike Leigh („Happy-Go-Lucky“) oder Stephen Frears („The Queen“), die dem wahren Herzen Englands auf der Spur sind. In seiner ganz eigenen Liga spielt seit „Trainspotting“ (1996) Regisseur Danny Boyle, der einen Hammerfilm nach dem anderen raushaut: „28 Days Later“, „Slumdog Millionär“, mit dem er den Oscar gewann, „127 Hours“ und zuletzt „Trance“ mit dem großartigen Schotten James McAvoy. Boyle gebührte folgerichtig die Ehre, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London zu inszenieren. Die zeigte: England ist einfach Kult. Frische Kinostars bringt die Insel sowieso am laufenden Band hervor: Daniel Craig, Ralph Fiennes, Jude Law, Keira Knightley, Michael Fassbender, Robert Pattinson, Andrew Garfield, Tom Hardy, Henry Cavill … Ärgerlich nur, dass die oft gleich den Flieger nach Hollywood nehmen! Für die Zeit nach der Pensionierung schlagen wir dagegen Indien vor, wie man in der warmherzigen Komödie „Best Exotic Marigold Hotel“ miterleben kann. Im Überraschungserfolg von 2011 (Teil 2 ist gerade im Dreh) geben sich Englands große Damen Maggie Smith und Judie Dench an der Seite von Bill Nighy  und Dev Patel die Ehre. Ein wunderbar gespielter leichtfüßiger Spaß, der britischen Witz mit Tiefgang kombiniert. Dafür lieben wir die Briten doch, oder? [Oliver Kaever]

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