Filmland Irland

Die Iren leben auf einer wunderschönen, grünen Insel, trinken Guinness und machen lustige Fiddel-Musik. Dass das Klischee aus dem Irish Pub mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat, weiß jeder, der Irland nicht nur aus dem Kino kennt. Entgegen der Aussage verkitschter Hollywood-Romanzen hat Befreiungskampf, Armut und die Kirche die Iren geprägt, ihnen aber nicht die Lebenslust genommen. Ihre Filme zeigen den oft harten Alltag stets mit einem Augenzwinkern

"Die Asche meiner Mutter": Diese erdrückende Armut!

“Die Asche meiner Mutter”: Diese erdrückende Armut!

Eine Aussage wie ein Stich ins Wespennest. Bei der Promotiontour für seinen neuen Film „Am Sonntag bist Du tot“ meinte „The Guard“-Regisseur John Michael McDonagh: „Ich bin kein Fan irischer Filme. Ich finde, sie sind technisch ausbaufähig und auch nicht sonderlich intelligent.“ Das gab Ärger! Die irischen Me­dien schossen sich auf McDonagh ein und verlangten, er solle die staatliche Förderung zurückzahlen, mit denen er seine Werke finanzierte. Allerdings sind „The Guard“ und „Am Sonntag bist Du tot“, beide mit Brendan Gleeson in der Hauptrolle, die erfolgreichsten irischen Streifen seit 15 Jahren und haben das investierte Geld längst vervielfacht. Das Beispiel zeigt aber: Die Iren sind verdammt stolz auf ihre Filmkultur – und reagieren empfindlich auf Kritik.

 

"Mein linker Fuß": erster Welterfolg

“Mein linker Fuß”: erster Welterfolg

EIN ZÖGERLICHER BEGINN

Es dauerte allerdings sehr lange, bis sich diese Filmkultur etablieren konnte. Die erste Vorführung 1896 fiel in die dunkelste Zeit des Landes, als es durch die repressive englische Politik zu Hungersnöten und extremer Armut und infolgedessen zu einem wahren Exodus junger Iren Richtung USA kam. Das erste reguläre Kino eröffnete erst 1909 in Dublin. Besitzer: Der berühmte Schriftsteller James Joyce. In der Zeit des Stummfilms existierte noch keine nennenswerte Filmindustrie. Die wenigen Produk­tionsfirmen fädelten größtenteils Deals mit US-Studios ein, die hier drehen wollten. Klar, in Irland lockten haufenweise schöne Landschaften als Kulisse und in den USA warteten scharenweise Iren darauf, ihr Heimweh in den Kinos zu stillen. „The Lad From Ireland“ von 1910 ist ein prototypischer Spielfilm, der einen Emigranten in den Mittelpunkt stellt. Einige Spielfilme mit rein irischer Beteiligung gab es erst nach dem Ende des blutigen Bürgerkrieges und der Unabhängigkeit vom Commonwealth 1921. „Irish Destiny“ von 1926 ist ein typisches Beispiel, ein einfaches Drama, das sich um einen IRA-Kämpfer dreht.

Kommentar verfassen