Filmland Irland

"Once": Bittersüße Romanze, die einen Oscar gewann

“Once”: Bittersüße Romanze, die einen Oscar gewann

DER KNOTEN PLATZT

In den Neunzigern produzierte Irland mehr Filme als in den gesamten 90 Jahren zuvor. Vorläufer dieser ungeheuren Steigerung war das Drama „Mein linker Fuß“ (1989) von Jim Sheridan. Noch größtenteils mit englischem Geld produziert, wurde die Geschichte des fast vollständig gelähmten Schriftstellers Christy Brown der erste irische Film, der weltweit Anerkennung fand. Bei den Academy Awards 1990 heimsten Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis und Nebendarstellerin Brenda Fricker Oscars ein, Jim Sheridan wurde als bester Regisseur nominiert. Er stieg schnell zum bekanntesten Filmemacher Irlands auf und interessierte sich bis zu seiner Übersiedelung nach Hollywood für rein irische Themen. „Das Feld“ (1990) ist ein existentialistisches Drama um einen Bauern und ein Stück Land, das seine Familie seit Jahrhunderten bewirtschaftet. Die Hauptrolle spielt Richard Harris („Ein Mann, den sie Pferd nannten“), einer der wenigen irischen Darsteller, der schon in den Sechzigern eine internationale Karriere startete. Ein riesiger Erfolg wurde Sheridans nächstes Projekt, das IRA-Drama „Im Namen des Vaters“ (1993), wieder mit Daniel Day-Lewis in der Rolle eines zu Unrecht inhaftierten angeblichen Unterstützers der irischen Befreiungs-Armee.

 

"Fisch & Chips": Den harten Alltag einfach mal auslachen

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LACHEN GEGEN DIE UMSTÄNDE

Sheridans Kollege Neil Jordan hatte sich schon in den Achtzigern eine große Karriere mit Filmen in England („Mona Lisa“) und Hollywood („Wir sind keine Engel“) erarbeitet. 1992 kehrte er in seine irische Heimat zurück und drehte mit „The Crying Game“ einen der besten Filme des Jahrzehnts, der wieder mit der IRA beginnt, dann aber eine unerwartete Wendung nimmt. 1997 folgte das recht konventionelle Epos über die irische Revolution, „Michael Collins“, mit einem anderen irischen Weltstar in der Hauptrolle: Liam Neeson. Ganz anders erzählt die so genannte „Barrytown-Trilogie“ von der irischen Gegenwart. Die drei Filme basieren alle auf Romanen von Roddy Doyle. Den Anfang machten „Die Commitments“ (1987), es folgten „The Snapper“ (1993) und „Fisch & Chips“ (1996). Alle Komödien wurden zwar von englischen Regisseuren realisiert, treffen aber sehr genau das irische Lebensgefühl. Hier hilft nur noch Humor gegen oft widrige Umstände, die den Figuren die Hoffnung nehmen wollen. Immer noch besser als die Aussichten in Armuts-Dramen wie „Die Asche meiner Mutter“ (1999), in dem einzig die Auswanderung in die USA Besserung verspricht.

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