Filmland Irland

NICHT NUR TRAUERN

Dass die Iren nicht vorrangig für Gute-Laune-Filme stehen, liegt an der nun mal nicht ganz einfachen Vergangenheit der grünen Insel. Vor allem der Nordirland-Konflikt, der sich über Jahrzehnte hinzog und über 3.000 Tote forderte, beschäftigt die Filmemacher bis heute. In „The Wind That Shakes The Barley“ (2006) erzählt Ken Loach die Vorgeschichte des irischen Unabhängigkeitskampfes. Mit dem TV-Film „Bloody Sunday“ (2002) über den Blutsonntag von 1972 begann die Karriere von Paul Greengrass. „Hunger“ von Steve McQueen (2008) erzählt von IRA-Mitglied Bobby Sands, der 1981 in einem englischen Gefängnis in den Hungerstreik tritt. Der jüngste Eintrag in diesem Themenkreis ist das hochgelobte Action-Drama „´71“, das noch auf einen Kino-Starttermin wartet.

"Hunger": IRA-Mann Sands tritt im Knast in Hungerstreik

“Hunger”: IRA-Mann Sands tritt im Knast in Hungerstreik

Das andere düstere Kapitel der irischen Geschichte betrifft die katholische Kirche und die unfassbare Schuld, die sie auf sich geladen hat. Über Jahrzehnte haben katholische Geistliche in Kinderheimen ihre Schutzbefohlenen sexuell missbraucht, geschlagen, wie Sklaven behandelt. 2002 erzählte Peter Mullan in „Die unbarmherzigen Schwes­tern“, wie auch Mädchen unter der Kirche litten; John Michael McDonaghs „Am Sonntag bist Du tot“ und „Philomena“ (2013) befassten sich ebenfalls mit diesem Thema.

Aber es ist ja nicht alles nur düster im irischen Film. Am nächsten kommt man ihm vielleicht mit vermeintlich „kleinen“ Independent-Filmen wie der bittersüßen Romanze „Once“, die 2008 endlich mal wieder den Oscar nach Irland holte (für den besten Song). Oder mit charmanten Komödien wie „Lang lebe Ned Devine!“ (1998) und bissigen Satiren wie „Intermission“ (2003) mit Colin Farrell und Cillian Murphy, zwei der derzeit bekanntesten irischen Schauspieler, die noch lange Karrieren vor sich haben. Darauf ein Guinness! [Oliver Kaever]

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