Filmland Italien

Armani, Ferretti, Dolce & Gabbana. Pizza, Pasta, Chianti. Mailand, Rom, Venedig. Fellini, Leone, Visconti. Der italienische Film gehört zur Aura dieses Sehnsuchtslandes wie die Mode, das Essen, die Architektur. Aber er ist mehr als das. Italo-Western und Neorealismus beeinflussen die Filmsprache bis in die Gegenwart – siehe Tarantinos „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“. Das italienische Kino strahlt noch immer Magie und Charisma aus

Die unscharfen Schwarzweiß-Bilder zeigen einen alten Mann in einem weißen Anzug, der segnend seine Hand Richtung Kamera hält. Kurz darauf fährt er selig winkend in einer Kutsche vor. Wie könnte die italienische Filmgeschichte anders beginnen als mit Aufnahmen eines Papstes? 1896, ein Jahr nach den ersten öffentlichen Filmvorführungen in Paris und Berlin, wurde Papst Leo XIII. als erstes katholisches Kirchenoberhaupt inmitten seiner Bischöfe gefilmt. Damit beginnt die Kinogeschichte eines Landes, das schon in Stummfilmzeiten seine Liebe zur Leinwand entdeckte. Neorealismus, Spaghetti-Wes­tern, Sandalenfilme, Horror, Komödien, politische Thriller: Italienische Filmemacher mischten überall mit. Viele Genres erfanden sie selbst und gaben ihnen ähnlich kreative Namen wie ihren Nudelsorten. An die Goldene Ära der Sechziger kann der italienische Film heute zwar nicht mehr anknüpfen, aber immer wieder bringt er neue Talente hervor. Und zu den Filmfestivals von Rom und vor allem Venedig pilgert nach wie vor die ganze Filmwelt.

 

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KOLOSSAL STORICI E TELEFONI BIANCHI

Bereits zwischen 1903 und 1908 nahm die italienische Filmindustrie Gestalt an. Drei Studios stellten massenhaft Kurzfilme her, die sich eines immer größeren Publikums erfreuten, aber auch ins Ausland exportiert wurden. Dadurch gehörte Italien schon ganz früh zu den weltweit bekanntesten Filmnationen. Erst recht nach „Quo Vadis“ (1912), einem der ersten internationalen Blockbuster. In den folgenden Jahren produzierten die Italiener mit großem Erfolg vor allem Monumentalfilme, darunter „Cabiria“ (1914), ein Historien-Epos, mit dem Regisseur Giovanni Pastrone die Kamera-fahrt berühmt machte.

Nach dem Ersten Weltkrieg holten die anderen Nationen auf und machten Italien die Filmmärkte streitig. Die Folge war eine Kino-Krise. 1922 übernahm Mussolini mit seiner faschistischen Partei die Macht. Unter der Diktatur überwogen in den Dreißigern harmlose Komödien, die in glamourösen Sets gedreht wurden. Überall standen weiße Telefone herum, die den Reichtum der Figuren signalisieren sollten. So bekam das Genre den Namen Telefoni Bianchi.

 

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NEOREALISMO E COMMEDIA ALL‘ITALIANA

1934 ließ Mussolini mit der Cinecittà eine eigene Filmstadt bauen. Bis heute entstehen dort einheimische Werke. Das italienische Kino befreite sich aber an einem anderen Ort vom Erbe des Faschismus und schaffte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den kulturellen Neuanfang: auf der Straße. Schon den Vorläufer der Bewegung des Neo­realismus, „Besessenheit“ (1943), drehte Luchino Visconti an Originalschauplätzen. 1945 folgte Roberto Rosselinis legendärer „Rom – Offene Stadt“, gedreht inmitten der Trümmer der Hauptstadt. Die Neorealisten wollten weg von den Konventionen des Studiofilms, hin zu mehr Lebensnähe und wahrhaftigen Gefühlen. Sie arbeiteten oft mit Laien und ließen immer die Umwelt in die Geschichten einfließen. Zu den wichtigsten Werken dieser Bewegung zählen auch Vittorio de Sicas bewegendes Drama „Fahrraddiebe“ (1948) und Giuseppe De Santis‘ „Bitterer Reis“ (1949).
Während der Neorealismus die Filmsprache weltweit bis heute beeinflusst, machten seine Werke damals nur einen kleinen Prozentsatz der gesamten italienischen Produktion aus.

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