Dystopien und Endzeitfilme

Atomkrieg, degenerierte Gesellschaft, die Herrschaft der Maschinen: Dunkle, aufwühlende Visionen aus (hoffentlich sehr) fernen Zukunftstagen faszinieren das Publikum schon seit den Pioniertagen des Kinos und mischen spätestens seit „Die Tribute von Panem“ auch wieder in der vordersten Blockbuster-Front mit. Willkommen zu einem Streifzug durch die Historie des dystopischen Films

Verstrahlt und gefährlich: Szene aus dem für 2015 geplanten „Mad Max – Fury Road“

Was wäre, wenn die Bombe fällt? Nicht eine oder zwei wie 1945 in Japan; Regisseur George Miller dachte in größeren Dimensionen und zeigte eine wüstenstaubige Vision seiner australischen Heimat nach dem großen nuklearen Holocaust, in der Motorradbanden die Überlebenden terrorisieren. Was er an Budget nicht hatte, machten er und sein Star Mel Gibson mit Action und Brutalität wett. Mit Erfolg: „Mad Max“ (1979) begeisterte die Zuschauer und wurde zum Prototyp des Endzeit-Action-Films. Bis 1985 folgten zwei Fortsetzungen, 2015 schickt Miller Tom Hardy in die gefährliche Ödnis. „Mad Max – Fury Road“ soll der Startschuss für eine komplette neue Filmtrilogie werden – falls das nicht mehr taufrische Konzept noch funktioniert. Schließlich steht sein Katastrophenfundament auf wackligen Füßen, seit mit dem Ende des Kalten Kriegs die kollektive Urangst vor dem Atomkrieg weitgehend verpufft ist. Eigentlich schade für Cineasten, aber die Welt lässt sich ja auch noch anders über den Jordan schicken. Erlaubt ist, was bedrückt – und da hat sich die Filmbranche als überaus kreativer Ideengeber bewährt. Steigende Meeresspiegel durch Erderwärmung? Fragen Sie Kevin Costner. Der ersann bereits 1995 mit „Waterworld“ ein komplett überflutetes Endzeit-Szenario, verheizte seine Idee aber für eine holprige Piraten-Outlaw-Geschichte mit trashigem Steampunk-Charme. Drohender Kollaps durch Überbevölkerung? Richard Fleischers „Soylent Green“, angesiedelt im auf 40 Mio. Einwohner angewachsenen New York, hatte schon 1973 eine böse Lösung gegen den Hunger der Massen parat. Die gegenteilige Entwicklung lotete Alfonso Cuarón 2006 in „Children Of Men“ aus, der beklemmenden Endzeit-Geschichte der letzten schwangeren Frau in einer außer Kontrolle geratenen Gewaltgesellschaft. Oder wie wäre es mit einer alle dahinraffenden Seuche? In „12 Monkeys“ erzählt Terry Gilliam die verschachtelte Geschichte einer Erde, deren Oberfläche seit einer verheerenden Virus-Pandemie unbewohnbar ist.

 

Kultfigur aus einem Low-Budget-Film: Mel Gibson in „Mad Max“

VIELFÄLTIGE WELTZERSTÖRUNG

Man möchte an dieser Stelle eigentlich gern zum großen Rundumschlag ausholen und gleich noch sämtliche Zombie-, Weltuntergangs- und Die-Aliens-kommen-Streifen dieser Filmwelt anführen – aber langsam: Eine Dystopie im eigentlichen Sinn stellt den Zuschauer vor vollendete Tatsachen, konzentriert sich auf eine bereits aus den Fugen geratene Welt und weniger auf den Weg dorthin. Da bleiben aber beispielsweise noch ein paar schöne Untotenfilme im Sieb hängen: Danny Boyles Schocker „28 Days Later“ (2002) und der ebenso verstörende „28 Weeks Later“ (2007) sind Paradebeispiele dafür, wie gut Dystopie und Splatter harmonieren, die respektlose Komödie „Zombieland“ (2009) wirft noch eine Hirnschale voll schwarzem Humor hinterher. Wenn die Welt schon den Bach runtergegangen ist, darf schließlich auch mal gelacht werden. In Tim Burtons aberwitzigem „Mars Attacks!“ (1996), seiner herrlichen Sci-Fi-Farce vom Krieg der Menschen gegen die Aliens genauso wie in „Idiocracy“ (2006). Der lässt Luke Wilson nach langem Kälteschlaf im Jahr 2505 erwachen, in dem alle Mitmenschen komplette Idioten und er plötzlich der intelligenteste Mann der Welt ist – ein lakonischer, unterbewerteter Spaß.

Ein Kommentar

  1. Thompsen 28. April 2015

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