Jahrmarkt der Visionäre

Geniale Regie-Exzentriker, depressive Provokateure, verschrobene Arthouse-Magier: Fernab des Mainstreams tummeln sich unzählige begnadete Filmemacher, die Kino-Konventionen den Kampf ansagen und sich ihre ganz eigenen faszinierenden Welten schaffen. Treten Sie ein!

Skandal: Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe geben sich dem „Antichrist“ hin

Skandal: Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe geben sich dem „Antichrist“ hin

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Es ist schon lange kein großes Geheimnis mehr, dass in Hollywood die Dollars bestimmen, welche Filme das Licht der Welt erblicken, da cineastische Experimente als zu hohes Risiko gelten. Große Budgets sind deshalb überwiegend Gewinn versprechenden Blockbustern vorbehalten. Das Resultat fällt dann meistens immer gleich aus: Mutloser Mainstream-Einheitsbrei, der sich in Sequels, Prequels, Remakes oder starbesetzter Popcorn-Bespaßung widerspiegelt. Doch jenseits des Kino-Fließbands gibt es sie glücklicherweise noch: Filmemacher mit eigenem Kopf und unverkennbarer Handschrift, die bewusst anders ticken und ihre Visionen gegen alle Widerstände auf die Leinwand bringen. Sie alle vereint der unbändige Wille, etwas zu erschaffen, das den Zuschauer verwirrt, verzaubert, fasziniert oder auch zutiefst verstört. Egal, wie viele Steine ihnen dabei in den Weg gelegt werden.

 

Pechvogel Terry Gilliam: Beim Dreh von „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ starb Hauptdarsteller Heath Ledger

Pechvogel Terry Gilliam: Beim Dreh von „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ starb Hauptdarsteller Heath Ledger

BIZARRE BILDERWELTEN

Einer der ein Lied vom miesen Schicksal singen kann, ist zweifellos Terry Gilliam. Dessen neues Werk, das dystopische Science-Fiction-Drama „The Zero Theorem“, startet hierzulande zwar am 27. November, doch der Entstehungsprozess gestaltete sich holprig. Kurz vor Produktionsstart im Jahr 2009 stieg Hauptdarsteller Billy Bob Thornton aus dem Projekt aus. Der Film wurde schlussendlich mit Christoph Waltz fertiggestellt. Mitunter legt sich Gilliam auch gerne selbst Steine in den Weg. So gab er der Comicadaption „Watchmen“ einen Korb, da ihm die Story für einen Kinofilm als zu komplex erschien. In den 90ern investierte er bereits ein halbes Jahr in eine Neuverfilmung von „Der Glöckner von Notre Dame“. Dann erfuhr er, dass Disney an einer Zeichentrick-Version des Stoffes arbeitete, und stieg aus. Gilliam und Hollywood scheinen generell nicht zusammenzupassen. Warner Brothers weigerte sich beispielsweise vehement, ihn auf Joanne K. Rowlings persönlichen Wunsch hin mit der Regie für die „Harry Potter“-Verfilmung zu beauftragen. Die spätere Version von Chris Columbus bezeichnete Gilliam in einem Interview als „fürchterlich und stumpfsinnig“. Dass der Spagat zwischen Mainstream und eigenen künstlerischen Ansprüchen durchaus gelingen kann, beweist dagegen Guillermo del Toro. Der mexikanische Regisseur versteht es bes­tens, sowohl kreative Fantasiewelten mit komplexer Thematik zu vereinen („Pans Labyrinth“) als auch die Massen mit überbordendem Action-Bombast („Pacific Rim“) zu begeistern. Damit überzeugt er regelmäßig die Kritiker und spült den Studios das Geld in die Kassen. Eine unschlagbare Kombination.

Kommentar verfassen