Die Musik macht den Ton

Neben solchen meisterhaften Scores sind es aber vor allem die Songs, die große Spuren hinterlassen. Vielleicht von den Erfolgen ihrer Filmmusicals inspiriert, gaben Studiobosse auch für herkömmliche Genre-Produktionen Songs mit Hitpotenzial in Auftrag. Die Musikwelt verdankt dieser Entwicklung Klassiker wie „Moon River“ aus „Frühstück bei Tiffany“ (1961), komponiert vom vielbeschäftigten Henry Mancini, das sich in unzähligen Versionen millionenfach verkaufte. Auch „Que Sera, Sera“, im Original gesungen von Doris Day in Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) oder Marylin Monroes „Diamonds Are a Girl‘s Best Friend” aus „Blondinen bevorzugt“ (1953) haben große Wellen bis weit außerhalb ihres filmischen Biotops geschlagen.

 

„Que Sera, Sera“: Doris Day singt ihren entführten Filmsohn zurück

„Que Sera, Sera“: Doris Day singt ihren entführten Filmsohn zurück

GEPLANTER ERFOLG MIT FILMSONGS

Wo die Stars ihre Lieder früher auf der Leinwand vortrugen, landet „der“ Filmsong heute meist im Abspann. Der Erfolg ist geblieben. Mit den Textzeilen „Near, far, wherever you are“ schmachtete sich Celine Dion 1997 mit der „Titanic“-Hymne ins Ohr der Massen. Das von James Horner geschriebene „My Heart Will Go On“ wurde ihr größter Erfolg und verkaufte sich allein in Deutschland zwei Millionen mal. Bryan Adams‘ „(Everything I Do) I Do It For You“ aus „Robin Hood – König der Diebe“ (1991) belegte in Großbritannien 16 Wochen lang ohne Unterbrechung die Spitze der Single-Charts – bis heute Rekord.

Henry Mancini schrieb den „Frühstück bei Tiffany“-Song „Moon River“ speziell für Audrey Hepburns Stimmlage

Henry Mancini schrieb den „Frühstück bei Tiffany“-Song „Moon River“ speziell für Audrey Hepburns Stimmlage

Auch der Mann mit der Lizenz zum Töten besitzt eine Zweitzulassung als Hitmacher: Jeder James-Bond-Film hat seinen eigenen Filmsong als Untermalung des edel gestalteten Vorspanns. Darunter finden sich Perlen wie Shirley Basseys „Goldfinger“ (1964), „Live And Let Die“ (1973) von Paul McCartney und Wings oder die retro-soundige Orchesterballade „Skyfall“ von Adele aus 2012. Aber auch der eigentliche Score von 007 muss sich nicht verstecken, das immer wieder leitmotivisch verwendete „James Bond Theme“ ist zudem ein Paradebeispiel für Hollywoods Abkehr vom sinfonischen Filmsound – denn in den Sechzigern wollte man mit modernen Klängen ein jüngeres Publikum in die Kinos locken. So kombiniert die 1962 entstandende Bond-Komposition eleganten Big-Band-Bebop mit einem genialen „Ding-dingeding-ding-ding-dää-dää“-E-Gitarrenriff im damals sehr populären Surfrock-Sound. Das bei „007 jagt Dr. No“ erstmals benutzte Thema hat Komponist Monty Norman über die Jahrzehnte jedenfalls genügend Ruhm (und Tantiemen?) für einen prominenten Neider eingebracht: Bond-Hauskomponist John Barry behauptete Ende der Neunziger, dass er das Stück damals nicht nur mitarrangiert, sondern auch selbst geschrieben habe. Norman zog ihn wegen Verleumdung vor den Kadi und gewann den langjährigen Rechtsstreit schließlich nach zähem Ringen und akribischen Gutachten. Die Sache war zumindest nicht zu seinem finanziellen Schaden: 2001 sprach ihm das Londoner High Court 30.000 Pfund Schmerzensgeld zu.

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