Teure Katastrophen der Filmgeschichte

Gekenterte Kulissen und gesprengte Budgets, kranke Crews und verseuchte Sets, echte Bomben und scharfe Schüsse: Im Chaos hinter den Traumfabrik-Kulissen geht mehr schief, als sich der Zuschauer in seinen kühnsten Träumen ausmalen könnte. Vorhang auf zu einem Streifzug durch die unglaublichsten Katastrophen der Filmgeschichte!

Kevin Costner hatte Großes vor: Eine komplett überflutete Welt wollte er erschaffen, kein Land in Sicht, soweit das Auge reicht. Keine Kleinigkeit. Deshalb hatte er für seine „Mad Max auf hoher See“-Apokalypse „Waterworld“ (1995) ein supertankergroßes Budget von 100 Mio. US-$ klar gemacht. Mit denen er aber nicht weit kommen sollte. Das Geld ging bereits für den Bau der riesigen schwimmenden Kulissen und Wasserfahrzeuge drauf, und weil sich unliebsame Küstenlinien noch nicht am Computer ausradieren ließen, musste weit draußen auf dem Meer gedreht werden – eine unglaubliche logistische Herausforderung. Eines der Sets versank, Costner überwarf sich dem mit Regisseur, „Buffy“-Autor Joss Whedon kam als Pannendienst an Bord, um die gröbsten Lecks im löchrigen Script zu stopfen. Immerhin gelang es, das aufgeblasene Spektakel doch noch in den Kasten zu bekommen, das Costner zwar viel Spott einbrachte, im Lauf der Jahre aber sein auf 175 Mio. US-$ aufgequollenes Budget wieder einspielen konnte.

 

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Der Dreh von „Apocalypse Now“ machte dem Filmtitel alle Ehre

EIN BOGART VOLL BRANDY, EIN BRANDO VOLL CANDY

Der Dreh an entlegenen Orten hat schon so manches Filmprojekt aus dem Ruder laufen lassen. Beim Klassiker „African Queen“ (1951) plagte sich die komplette Crew in Uganda mit der Ruhr herum. Bis auf Regisseur John Huston und Humphrey Bogart, die sich – so mutmaßte Co-Star Katharine Hepburn in später veröffentlichten Erinnerungen – wohl fleißig innerlich mit Scotch desinfiziert hatten. Ende der Siebziger sammelte Francis Ford Coppola leidvolle Erfahrungen, als er auf den Philippinen und in der Domrep „Apocalypse Now“ produzierte. Marlon Brando hatte sich so rund gefuttert, dass er im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr in seine Rolle als Colonel Kurtz passte – laut Buch ein „dünner Mann“ – weshalb in der Kinofassung meist nur die dunklen Aufnahmen seines Gesichts zu sehen sind. Hauptdarsteller Martin Sheen erlitt einen Herzinfarkt (und machte nach der Genesung weiter), der erkrankte Dennis Hopper musste im Hamburger Tropeninstitut behandelt werden, zwischendurch machte ein Sturm das Set dem Erdboden gleich. Die Katastrophe in Zahlen: 16 Monate Drehzeit und Kosten über dem doppelten Anfangs-Budget, sprich 32 Mio. US-$. Trotzdem (oder deshalb?) ist das finstere Vietnam-Drama einer der besten Antikriegs-Filme.

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