Teure Katastrophen der Filmgeschichte

LEIDEN FÜR DEN MESSIAS: JESUS, ICH GLAUB ES BLITZT!

So lange es nur um Geld und künstlerische Aspekte geht, ist alles noch im grünen Bereich, denn die Arbeit in der Traumfabrik birgt viele Gefahren für Leib und Leben. Meldungen über Unfälle und Todesfälle unter den Stuntleuten gehören beinahe zum filmischen Alltag. Aber auch die Stars bleiben nicht verschont. Dolph Lundgren verpasste Sylvester Stallone bei „Rocky IV“ (1985) eine derart heftige Kelle, dass dessen Herz gefährlich anschwoll und er für acht Tage auf die Intensivstation musste. Bei den Aufnahmen zu „The Expendables“ (2010) war es Wrestler Steve Austin, der ihn versehentlich heftig am Hals erwischte und dafür sorgte, dass Sly jetzt eine chirurgisch eingepflanzte Metallplatte im Genick trägt. Mar­tial-Arts-Ass Jackie Chan, der seine Stunts selbst zu spielen pflegte, nahm’s mit Humor, wenn er sich mal wieder eine dicke Lippe oder gebrochene Knochen zugezogen hatte, und zeigte die „verpatzten Szenen“ mit den Unfällen im Abspann seiner zahllosen Filme.

Auf eine Jesus-Rolle mit unfreiwilligem „method acting“ hatte sich Jim Caviezel bei Mel Gibsons „Die Passion Christi“ (2004) eingelassen. Seine Leidensserie umfasste Unterkühlungen, Lungenentzündung, eine ausgerenkte Schulter und tatsächlich eingefangene Hiebe bei einer Auspeitsch-Szene. Bei den Aufnahmen zur Bergpredigt wurde er schließlich vom Blitz getroffen, blieb aber unverletzt. Womit er nicht alleine dastand: Regie-Assistent Jan Michelini kassierte während der Dreharbeiten sogar zwei Einschläge …

Sein Tod am Set von „The Crow“ machte Brendan Lee unsterblich

Richtig schlimm hat es dagegen einst eine Ikone der Comedy er­wischt: Im August 1919 riss eine versehentlich detonierende Requisitenbombe Harold Lloyd den Daumen, Zeigefinger und Teile des Ballens der rechten Hand ab – was er fortan mit seiner Handhaltung und fleischfarbenen Prothesen überspielte. Da hatte Brendan Lee, Sohn des früh verstorbenen Martial-Arts-Genies Bruce, weniger Glück, der am 31. März 1993 am Set von „The Crow“ sein Leben lassen musste. Es geschah ausgerechnet beim Dreh der Todesszene von Lees Figur Eric Draven: Schauspieler Michael Massee zielt aus größerer Entfernung mit einer Kaliber .44 auf Lee und drückt ab. Obwohl nur Platzpatronen geladen sind, wird der Hauptdarsteller in der Brust getroffen und erliegt kurz darauf in der Klinik seinen Verletzungen. Was war passiert? Von früheren Schießereien mit (aus Kostengründen) selbstgebastelten Platzpatronen steckte noch eine Kugel im Lauf, die von den Treibgasen der Platzpatrone mit voller Wucht herausgeschossen wurde. Obwohl weder Unglücksschütze Massee noch Regisseur Alex Proyas irgendeine Schuld traf, mussten beide erstmal eine lange Auszeit nehmen, um den Schock zu überwinden. Richard Lester („18 Stunden bis zur Ewigkeit“) zog noch drastischere Konsequenzen: Er hängte seine drei Jahrzehnte andauernde, erfolgreiche Regie-Karriere an den Nagel, als bei Aufnahmen zu „Die Rückkehr der Musketiere“ (1988) der englische Mime Roy Kinnear vom Pferd stürzt, sich das Becken bricht und einen Tag später an Komplikationen stirbt.

1986 musste sich Regisseur John Landis vor Gericht sogar wegen Mordes verantworten, wurde aber freigesprochen. Es ging um einen grauenhaften Vorfall beim Dreh von „Unheimliche Schattenlichter“ im Juli 1982. Bei einer Vietnam-Gefechtsszene wird ein tieffliegender Heli von Pyrotechnik-Effekten am Boden beschädigt und stürzt ab. Der Rotor enthauptet den Schauspieler Vic Morrow (Vater von Jennifer Jason Leigh) und einen siebenjährigen Jungen, ein sechsjähriges Mädchen wird unter den Kufen erdrückt, während die Besatzung selbst quasi unverletzt bleibt. Als Folge traten immerhin strengere Auflagen für Spezialeffekte, Nachtdrehs und Szenen mit Kindern in Kraft.

 

John Wayne im Sandalenfilm „Der Eroberer“, der vielen später den Tod bringen sollte

EIN EROBERER ALS LAUTLOSER KILLER

Der tödlichste Film  aller Zeiten brachte das Verderben aber auf leisen Sohlen: 1954 fanden sich Hauptdarsteller John Wayne und eine große Crew für die Außenaufnahmen des epischen Mongolen-Abenteuers „Der Eroberer“ in Utah ein, gut 200 Kilometer vom Nevada-Atomtestgelände entfernt. Dort war im Vorjahr die 32-Kilotonnen-Bombe „Harry“ detoniert und hatte zum stärksten je in den USA gemessenen Fallout geführt. Die Crew wusste von einer möglichen Kontamination und hatte einen Geigerzähler dabei, aber die Behörden gaben grünes Licht für den Dreh. Die Zeit sollte sie Lügen strafen: Allein bis 1981 hatten 90 Mitglieder des 220 Mann starken Teams Krebs bekommen – dreimal so viele wie üblich. Viele von ihnen, darunter die Darsteller John Wayne und Susan Hayward sowie Regisseur Dick Powell, waren bereits daran gestorben, und sogar Besucher, die sich nur kurz am Set aufgehalten hatten, entwickelten ungewöhnlich häufig Tumore. Und das alles – bittere Ironie des Schicksals – für ein Machwerk, das von der Kritik fast durch die Bank zerrissen und verspottet wurde. Merke: Filme machen kann nicht nur ein gefährliches, sondern auch noch ein verflucht undankbares Geschäft sein. [Gerald Arend]

Kommentar verfassen